Andacht: Leben mit dem uns anvertrauten Gaben

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Jesus sprach zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz. Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein. Da sprach der Verwalter bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln. Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Der sprach: Hundert Fass Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig. Danach sprach er zu dem zweiten: Du aber, wie viel bist du schuldig? Der sprach: Hundert Sack Weizen. Er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig.

Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.

Aus Lukas  16,1–9

Spätestens seit Charles Darwin wissen wir, dass sich sämtliche Lebewesen auf der Erde in einem ständigen Konkurrenzkampf befinden. Diejenigen, die auf Veränderungen ihrer Lebensbedingungen am anpassungsfähigsten reagieren, vergrößern ihre Überlebenschancen anderen gegenüber. Auch der Mensch kann in Situationen geraten, in denen es um nichts anderes mehr als ums nackte Überleben geht. Der Volkstrauertag erinnert an die vielen Opfer der Kriege, die keine Überlebenschance hatten, Soldaten, Frauen, Männer und Kinder, Opfer von Rassenwahn und Völkerhass.

Ums Überleben geht es auch für den Verwalter in der Geschichte aus dem Lukasevangelium. Dem kriminellen Mann wird vorgeworfen, sich auf Kosten seines Herrn ein gutes Leben gegönnt zu haben. Das trifft offenbar zu, denn der Verwalter sucht nicht nach einer Ausrede, sondern nach einem Ausweg und überlegt, wie er davonkommen kann.  

Die Lösung, die er findet, setzt seinem betrügerischen Verhalten die Krone auf. Das Anstößige daran: Der Verwalter wird am Ende dafür auch noch gelobt. Doch letztlich wird nicht sein Betrug gelobt, sondern die Klugheit seiner Handlung. Die betrügerische Seite dieses Halunken kann uns natürlich nicht zum Vorbild werden, aber empfohlen wird uns an seinem Beispiel die Konsequenz eines Lebens aus dem Glauben. Leben, wie Gott es möchte, mit den uns anvertrauten Gaben und Fähigkeiten. Sie einzusetzen füreinander, für Frieden, Recht und Gerechtigkeit. Ohne danach zu schielen,  im rechten Licht zu stehen, oder uns einen  Platz in den „ewigen Hütten“  zu sichern. Denn Gott hat uns schon ins rechte Licht gestellt, uns den rechten Platz zugewiesen.

Dekan Hans-Gerhard Gross, Rothenburg  o. d. T.

Gebet: Ewiger Gott, schaffe den Opfern Recht und heile das Leben derer, die von Schuld gequält werden, durch Jesus Christus. Amen.