Andacht: Mantelwechsel

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. 

aus Epheser 4, 22–32

Wenn das so einfach wäre, sein Leben zu ändern. Ich bin schon zufrieden, wenn ich es schaffe, meinen Schreibtisch aufzuräumen. Den alten Menschen ganz ablegen? Schier unmöglich. Ich war noch niemals in New York, sang einst Udo Jürgens und erzählte von der Sehnsucht nach Veränderung. 

Es gibt gelungene Beispiele, wo Menschen ihrem Leben eine andere Richtung geben. Da gründet der berühmte Schauspieler Karl-Heinz Böhm eine Hilfsorganisation für Afrika, da hilft der Manager Thomas Middelhoff in einer Behinderteneinrichtung. Nicht immer freiwillig, manchmal getrieben von äußeren Umständen, immer aber auch getrieben von sich selbst, dass sich etwas ändern muss, wenn es weitergehen soll. 

Nun will ich mich aber oft gar nicht ändern. Ist es nicht gerade die Errungenschaft der Freiheit, in der ich mich auf den Marktplatz stellen und ausrufen kann „Ich will so bleiben wie ich bin“ und ich dafür nicht in einem Umerziehungslager verschwinde, sondern eine Werbestimme mir antwortet „du darfst“. 

Andererseits gibt es heute im Leben eines Menschen so viel Veränderung wie in keiner Zeit zuvor. Aber in welche Richtung geht es? So viele Wege, da wäre ein Kompass von Vorteil. Im Epheserbrief gibt Paulus uns Hinweise, wenn auch auf den ersten Blick etwas moralisierend. Aber der entscheidende Satz steht gleich am Anfang und der klingt viel einladender als zunächst vermutet: Zieht den neuen Menschen an, wie einen Mantel, der uns freundlich hingehalten wird. Er ist ja schon da, wir müssen nur hineinschlüpfen und dabei dürfen wir auf diesen neuen Menschen Jesus von Nazareth sehen und seinen Gott an uns heranlassen, das ist alles. Dann gelingt Veränderung und dann stimmt auch die Richtung. 

Wenn ich nämlich wirklich glaube, dass ich geliebt werde und jeder andere Mensch auch, von einem Gegenüber, das uns alle geschaffen hat, kann ich dann noch die Sonne untergehen lassen über meinem Zorn? Wenn ich wirklich glaube, dass mir immer wieder vergeben wird, kann ich dann noch nachtragend sein? Diese Veränderung in mir ist dann keine Leistung, sie geschieht einfach. 

Aber wir bleiben fehlbare Menschen und müssen auch immer wieder erinnert werden:  Manchmal sind es große Dinge, die uns zum Umdenken zwingen. Der Klimawandel zum Beispiel oder auch der Ausbruch des Virus in Schlachthöfen mit unwürdigen Bedingungen für Mensch und Tier. So geht es nicht weiter. Der Lock Down hat den Turmbau zu Babel unterbrochen. Oftmals aber sind es Alltäglichkeiten, die uns herausfordern: „Papa leg dein Handy weg und spiel mit mir“. Gerade Kinder erinnern uns an das, was wichtig ist, Zeit zu haben füreinander.

Das kann man üben. Das erfordert keinen radikalen Umbau des eigenen Lebens. Das gelingt aber immer leichter, wenn ich Gott wirklich an mich heranlasse. Entscheidungen treffen, große und kleine, im Geist der Liebe, die uns umgibt wie ein neuer Mantel, wie ein neuer Mensch.

Kirchenrat Oliver Spilker, Direktor des Schulreferates im Kirchenkreis Regensburg und Leiter des Schulreferates im Dekanatsbezirk Landshut