Herzerwärmende Details im Innern

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Unterwegs zu Markgrafenkirchen in Oberfranken
Hans Peetz mit einer Gruppe von Radlern vor einer Markgrafenkirche. Foto: Markgrafenkirchen e.V.

200 Markgrafenkirchen in Oberfranken warten auf Entdeckungen

Von außen erscheinen sie schlicht – manchmal gar streng. Ihre ganze Schönheit entfaltet sich erst innen. Dort zeigen die Kirchen im Markgrafenstil unerwartete Schätze an eindrucksvollen Räumen und liebevollen Details. Jede der sorgsam geschnitzten und bemalten Figuren lohnt eine besondere Aufmerksamkeit. Ein Gesichtsausdruck, eine Handbewegung erwärmt das Herz. Von Bayreuth bis in das kleinste
Bergdorf hat praktisch jede Kirche ihre Besonderheit und Tradition. 

Doch oft ist ihnen die Einheit von Kanzel und Altar an der Ostseite des Gotteshauses gemeinsam. Der Schalldeckel, der zu ihnen gehörte, schuf nicht nur eine optische Einheit, sondern auch möglichst gute akustische Bedingungen vor Erfindung des Mikrofons. Sie besitzen umlaufende, oft mehrstöckige Emporen. Damit erhöhte sich die Zahl der Sitzplätze, die nicht nur auf das Kirchenschiff beschränkt blieben.  Der Herrensitz für den Ortsadeligen auf der ersten Empore hatte meist einen eigenen Zugang.

Oberfranken besitzt fast 200 Kirchen im Stil der Markgrafenzeit. Anfang des Jahres ging die Seite https://www.markgrafenkirchen.de online. Knapp 60 Kirchen, die alle auch außerhalb des Gottesdienstes für Besucher geöffnet sind, finden sich dort. Dann kam die
Corona-Zeit. Inzwischen haben die meisten Gotteshäuser wieder für Besucher geöffnet. Inzwischen kommen viele Interessierte, so Jutta Geyhalter, Religionspädagogin und
Projektkoordinatorin, die sich um die Erschließung der Markgrafenkirchen in Oberfranken kümmert. Darunter sind viele einzelne Besucher, die ein paar Minuten der Besinnung suchen, sich in die Details versenken oder auch gern ausgelegte Andachtsblätter mit Impulsen zur Seelenstärkung – nicht nur in Corona-Zeiten – gerne mitnehmen.

Die Homepage bietet aber auch Dutzende von Radtouren zwischen den Markgrafenkirchen schon ab etwa 15 Kilometer Länge an. Sie zeigt, an welchen Pilgerwegen sie liegen und welche Wanderrouten möglich sind. Dazu bekommen Sie viele Informationen rund um die jeweilige Kirche, wie eine Kurzbeschreibung, die Öffnungszeiten, Links zur (Kirchen-)Gemeinde und so weiter. 

Markgrafenkirchen sind Teil einer Blütezeit im ausgehenden 17. und vor allem im 18. Jahrhundert. Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges und der voran gegangenen Auseinandersetzungen folgte eine Zeit des Wiederaufbaus und des Friedens in Oberfranken. 

Nicht nur die Markgrafen, sondern auch die benachbarten Herrscher, entfalteten an ihrem Hof und in ihren Gebieten ein reiches kulturelles Leben. Einen Höhepunkt der „Markgrafenkultur“ erlebte das Markgrafentum unter der Herrschaft von Markgraf Friedrich und seiner berühmten Ehefrau Wilhelmine. 

Das Projekt „Markgrafenkultur” ergänzt diese Schätze in Bayreuth und Umgebung. Praktische Informationen, aber auch die Biographien der Herrscher oder Erzählungen zur Alltags- und Sozialgeschichte finden sich ergänzend auf dieser Webseite. Susanne Borée

Gleich zu Ferienbeginn bietet Dekan i. R. Hans Peetz eine Radtour und Kirchenführungen zu den Markgrafenkirchen rund um Hof an. Treffpunkt ist am Samstag, 25. Juli, um 10 Uhr am Hauptbahnhof Hof. Es gibt eine Kirchenführung zuerst in St. Lorenz in Hof, dann in Kirchgattendorf, Regnitzlosau, Kautendorf, Döhlau und Oberkotzau. Die Tour ist 50 Kilometer lang. Die Rückkehr ist gegen 17 Uhr angepeilt. Bei schlechtem Wetter wird sie um eine Woche verschoben. Dann werden die Teilnehmenden am Vortag informiert. Die Radtour ist kostenfrei. Spenden für den Verein Markgrafenkirchen e.V. werden gerne angenommen. Bitte vorherige Anmeldung unter Tel. 0921/7574821 oder an die E-Mail: hans.peetz@elkb.de.