Andacht: In Jesu Fußstapfen treten – die größer sind

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Da sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wo immer du hingehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuerst hingehe und meinen Vater begrabe. Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Noch ein andrer aber sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; zuerst aber erlaube mir, von denen in meinem Hause Abschied zu nehmen. Jesus aber sprach zu ihm: Niemand, der die Hand an den Pflug legt und zurücksieht, ist geeignet für das Reich Gottes.

aus Lukas 9, 57–62

Nachfolge ist heute so einfach: kurz auf den „Like“-Button klicken – und schon ist man ein „Follower“. Bei Jesus ist Nachfolge radikaler – das fällt sofort auf: Jesus macht sich auf den Weg nach Jerusalem, wo er sterben und auferstehen wird. Er macht deutlich: ihm nachzufolgen kann nichts Leichtfertiges sein.

Wer sich an Jesus bindet, der wird nicht nur sein Schüler, der geht mit ihm eine Schicksalsgemeinschaft ein. Da braucht es Durchhaltevermögen, die Bereitschaft zum Verzicht, ja sogar die Bereitschaft, sich Ablehnung und Leid auszusetzen. Für die
Jünger bedeutete es, die gesicherte Existenz aufzugeben und sich für ein unstetes
Leben auf Wanderschaft mit Jesus zu entscheiden. Sie mussten die Familie zurücklassen und dem Reich Gottes absoluten Vorrang einräumen.

Es wäre ein leichtes, die Radikalität der Forderung Jesu als übertrieben abzutun mit dem Gedanken: Jesus dachte eben, das Reich Gottes würde gleich anbrechen und nur darum relativiert sich alles Irdische. Aber das ist mir zu einfach. Wenn ich die Bibelstellen gelten lasse, die mir Gutes zusprechen und verheißen – warum dann nicht auch die, die etwas von mir verlangen?

Nachfolge heute könnte so etwas sein wie sich selbst öfter hinterfragen – nicht alle Trends mitmachen, nicht immer den Weg der Bequemlichkeit gehen. Sich selbst zurücknehmen, damit das große Ganze zur Geltung kommen kann. Verbindlich bleiben – auch wenn es mal schwierig wird. So leben, dass andere leben können – neben mir, fern von mir, nach mir. Solidarität üben und vorauszuschauen statt zurück.

Natürlich weiß ich, dass ich immer wieder hinter dem Anspruch Jesu zurückbleibe. Dann tut es gut zu wissen, dass Gott fordert, aber auch gnädig und barmherzig ist. Und so kann ich auch gnädig mit mir selbst und den anderen sein.

Ich habe mir dieses Jahr vorgenommen, in der Fastenzeit Plastik zu fasten, um meinen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten – gar nicht so leicht, denn Plastik ist allgegenwärtig. Ich muss mich ganz schön umstellen. Aber ich bin auch gnädig mit mir, wenn ich mal die verpackte Milch nehme, weil es keine in der Flasche mehr gibt.

Die Liebe Gottes anzunehmen, ohne daraus Konsequenzen für unser Leben zu ziehen, Gnade ohne Nachfolge – das hat Dietrich Bonhoeffer als „billige“ Gnade abgelehnt. Aber gnadenlose Nachfolge verfehlt den menschenfreundlichen Gott. Darum trete ich fröhlich in Jesu Fußstapfen – auch wenn ich weiß, dass sie größer sind als meine.

Christine Drini, Pfarrerin in Gröbenzell und stellvertr. Seniora im Prodekanat München-West