Die Rückkehr des Verlorenen

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zum Verlorenen Sohn

Zuerst gibt es ein Murren: da nimmt sich einer der gesellschaftlich Verlorenen an und isst unbeschwert mit ihnen. Sucht Jesus solche Situationen mit Absicht? Es folgt eine Erzählung, die im Laufe der Zeit unterschiedliche Überschriften erhalten – je nachdem, wie sie die Lesenden gedeutet haben. „Vom verlorenen Sohn“, „Zwei Brüder“ oder „Der barmherzige Vater“. 

Ein Suchender, der den Verlockungen des Lebens folgt und sich komplett verrennt. Ein Vater, der seinem Jüngsten wohl alles durchgehen lässt. Geschwisterkinder können ähnliche Geschichten erzählen. Doch der Vater glaubt, dass sein Sohn tot sei, als hätte er mit seinem verlorenen Kind abgeschlossen. Sein Herz bebt, als er ihn lebendig erblickt. Irgendetwas bewegt den Sohn nach Hause zu gehen. Das ist für mich der Kern dieser Erzählung. Der Verlorene selbst wird in der Geschichte gar nicht gesucht.

Tief in sich weiß der junge Mann, wohin er gehört und kehrt ins Leben zurück. Nach einer strapaziösen Suche voller Irrwege wird er finden: zuerst sich selbst und dann tiefe Vergebung, himmlische Freude und unendliche Großzügigkeit. „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR.“, heißt es im Buch Jeremia (29, 13f). Ich kann etliche Dinge verlieren, den Glauben, meinen Verstand und vielleicht sogar mich selbst; aber ich weiß, wo ich mit meiner Suche beginnen werde.

Es nahten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich einem deiner Tagelöhner gleich! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße, lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

(aus Lukas 15)

Gebet: Barmherziger Vater und guter Hirte! / Wenn ich mich verliere, findest Du mich. / Wenn ich mich verrannt habe, bist du da und rettest aus aller Not. / Wenn mir mein Leben aus den Händen gleitet, bist du da. / Und Du selbst, unendlich großer Gott, willst Dich von mir finden lassen. / Dank sei dir in Ewigkeit!

Julian Lademann, Pfarrer in Penzberg