Wie gehört die Dreieinigkeit zusammen?

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Thun am See: In der Kirche von Scherzlingen. Foto: Kraus
Thun am See: In der Kirche von Scherzlingen. Foto: Kraus

Das Konzil von Nicäa versuchte auch eine Klärung der Trinität: Sind wir da erfolgreicher?

Leidenschaftlich wurde der Disput geführt – schon vor 1.700 Jahren. Und er beschäftigt uns noch heute: Bereits Kaiser Konstantin äußerte in einem Brief aus dem Jahr 324 sein Unverständnis gegenüber einem „geringfügigen“ Streit zwischen Christen in Nordafrika. Worum ging es? 

Kaum war die neue Religion im Römischen Reich anerkannt, stritten sich führende Denker und Theologen vehement um das Wesen der Person Jesu Christi und um die Trinität. Das klingt auch für unsere heutigen Ohren einigermaßen abstrakt. Doch den Christen damals war es mehr als wichtig: „Ich und der Vater sind eins.“ So überliefert Johannes (10,30) die Selbstvorstellung Jesu. Wie ließ sich damit umgehen?

„Weder ließe sich ein Vater ohne Sohn noch ein Sohn ohne Vater denken“, erklärt Katharina Greschat in ihrem Lehrwerk „Kirchengeschichte I“ (vgl. Sonntagsblatt-Ausgabe 7). Das Nachdenken darüber ist nicht nur intellektuell herausforderndes Prüfungswissen für zukünftige Theologinnen und Theologen, sondern es zeigt plastisch das Ringen mit Glaubensfragen in der damals jungen Kirche. 

Jesus Christus ist „wahrer Gott“ und „wahrer Mensch“ zugleich, indem er beide Naturen in sich vereint wie zwei Seiten eines Blattes. Er ist die zweite Person der Dreieinigkeit, in der die drei Erscheinungsweisen Gottes eins sind.

Dagegen betonte etwa der Presbyter Arius: Gott(-vater) sei ungeworden und ungezeugt, anfangslos und ewig, unveränderlich und absolut transzendent. Die Wesenseinheit des Sohnes mit ihm widerspräche dem Glauben an einem Gott. Zwar ging die Erschaffung des Logos, also Jesu, allen anderen Schöpfungswerken voraus, hatte aber einen Anfang. Jesus war nach Arius dem Vater gegenüber eigenständig – und somit weniger göttlich. 

Zur weiteren Klärung berief Konstantin als „Friedensrichter“ im folgenden Jahr 325 das Konzil von Nicäa ein – schließlich ging es ihm um die Glaubensenheit im Reich. Dort kamen zum ersten Mal Bischöfe und Theologen aus weiten Teilen der damaligen Christenheit zusammen. Das Konzil formulierte Sätze, die mit späteren Erweiterungen zum „Glaubensbekenntnisses von Nizäa-Konstantinopel“ werden sollte. Es bezeugte: Jesus Christus war „gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch den alles geworden ist“: Gottvater und Jesus sind wesenseins – deutliche Aussagen gegen Arius, der bald starb.

Nicäa: Jubiläum mit Tücken

Im kommenden Jahr 2025 nun begehen die Kirchen den 1.700. Jahrestag des Konzils von Nicäa: Ist dies runde Jubiläum eine Inspiration für Christen, sich für die Einheit der Kirche einzusetzen, wie der reformierte Pastor und Professor Jerry Pillay als Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) betont oder eher ein tückisches Datum?

Trotz Nicäa flackerte der leidenschaftliche Streit immer wieder auf: Waren nun Vater, Sohn und Heiliger Geist jeweils eigenständige Personen? Sie wirkten zusammen bei der Rettung des Sünders und seiner Rückkehr zur Gottgemeinschaft, so Bischof Athanasius von Alexandrien (+ 373). 

Die Diskussionen darüber, wie wesensähnlich oder -gleich sich nun die Personen der Trinität sind, standen auch im engen Zusammenhang mit der politischen Aufteilung zwischen Ost- und Westrom. Das Konzil von Chalcedon 451 legte fest: Jesus ist ganz und gar Mensch geworden, um alle zu erlösen. Gleichzeitig ist seine göttliche Natur für das Heilshandeln notwendig. 

Und was ist nun mit dem Heiligen Geist? Er geht „aus dem Vater“ hervor – und „dem Sohn (Filioque)“, so ergänzte die lateinische Kirche. Die späteren orthodoxen Kirchen tragen dies „Filioque“ nicht mit, schon gar nicht, als die katholische Kirche dies im Mittelalter zum Dogma machte. 

Und wann ist nun Ostern?

Doch ist es für Ost- und Westkirchen allein schon schwierig, Ostern am selben Tag zu feiern, wie es ebenfalls in Nicäa vereinbart wurde. Da entwickelten orthodoxes und lateinisches Christentum unterschiedliche Methoden, um den Ostertermin zu berechnen. Die Unterschiede zwischen dem julianischen oder gregorianischen Kalender seit 1582 spielen dabei eine vertiefende Rolle. Daneben gilt: „Dieser julianische Mondkalender ist nicht identisch mit dem Mondverlauf, den wir in der Realität am Himmel beobachten können, sondern folgt den von den Astronomen in Alexandria im ersten Jahrtausend gemäß ihrer Praxis aufgestellten Tabellen“, so Nikolaj Thon, Generalsekretär a.D. der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland und Referent für zwischenkirchliche Beziehungen der Diözese von Berlin und Deutschland der Russischen Orthodoxen Kirche.

2024 war das orthodoxe Osterfest erst am 5. Mai – 2025 fallen die Termine zufällig, aber passend zum Jubiläum zusammen. „Die Suche nach einem gemeinsamen Tag, um Ostern zu feiern, ist ein Symbol für unseren Wunsch nach Einheit“, sagte Jerry Pillay.

Nächstes Problem: Selbst wenn der ÖRK in den nächsten Monaten eine Einigung finden würde, ist damit nicht notwendigerweise gesagt, dass die Katholische Kirche dies mitträgt. Mitglieder im ÖRK sind die meisten evangelischen Kirchen, Anglikaner, auch Alt-Katholiken sowie andererseits die meisten orthodoxen und östlichen Kirchen. Die Römisch-Katholische Kirche ist dort teils assoziiert. Viele protestantische Kirchen, die nun die lateinische Seite vertreten, haben ein eher entspanntes Verhältnis zum „Filioque“ – auch die EKD. Ein unterschiedlicher Ostertermin (samt Pfingsten und allem, was damit zusammenhängt) mit Katholiken wäre aber etwa in Deutschland eher unpraktisch.

Der ÖRK sieht die Monate bis zum Nicäa-Jubiläum als „Pilgerweg“: Ziel sei nicht unbedingt eine „theologische Übereinstimmung“, sondern eine „Einheit, die sichtbar und greifbar ist und die Einheit des Leibes Christi widerspiegelt“, so Pillay. Also lieber eine ganz praktische Einigung auf einen gemeinsamen Ostertermin als auf konkretere Aussagen zur Trinität? Die Jubiläums-Aktivitäten des ÖRK sollen in einer Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung gipfeln, die für Oktober 2025 in Ägypten geplant sei. 

Die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland wiederum bereitet sich ebenfalls intensiv auf das Gedenken an das Jubiläum des Konzils von Nicäa vor. Sie plant eine Nicäa-Ikone anzufertigen, die durch Deutschland reisen soll. Es soll Gesprächsrunden mit der EKD geben, sowie eine Tagung mit der Orthodoxe Theologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Da wird es spannend, zu welchem Ziel der Pilgerweg des Jubiläums führt!

Katharina Greschat: Kirchengeschichte I: Von der Alten Kirche bis zum Hochmittelalter. Ev. Verlagsanstalt 2023, 394 Seiten, ISBN 978-3-374-05482-4.