Gottes Wegweiser mahnt zu Wachsamkeit

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern: Wachsamkeit zum Ewigkeitssonntag

Mein Navigationsgerät vermittelt mir Sicherheit. Wenn ich im Auto unterwegs bin, zeigt es mir bildlich an, wo ich mich befinde. Wenn ich ein Ziel angegeben habe, wird mir sogar der Weg angegeben. Wenn ich mir die Karte jedoch zu genau ansehen will, kenne ich mich nicht mehr aus, weil der Zusammenhang fehlt. Der Predigttext für den Ewigkeitssonntag ist so ein „Navi“ für mich: Er soll Christen helfen, den richtigen Blickwinkel zu finden:

An dem Feigenbaum aber lernt ein Gleichnis: Wenn jetzt seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Ebenso, wenn ihr seht, dass dies geschieht, so wisst, dass er nahe vor der Tür ist. Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen. Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater. Seht euch vor, wachet! Wie bei einem Menschen, der über Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten Vollmacht und gebot dem Türhüter, er solle wachen: So wacht nun; denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder am Morgen, damit er euch nicht schlafend finde, wenn er kommt. Was ich euch sage, das sage ich allen: Wachet!

Aus Mk 13, 28–37

Es geht um das Reich Gottes, also die Hoffnung auf die Welt Gottes, die unsere Welt zur Vollendung führen soll. Nur bei Gott – so ist die Vorstellung – wird das Leben so richtig heil sein, mit allem was dazu gehört. In diesem Heil sind wir noch nicht, wir sind noch nicht am Ziel.

Pass auf! – sagt Jesus in diesem Text – Pass auf, dass Du mitbekommst, was um Dich herum passiert. Es gibt eine Menge Zeichen, die zeigen, dass Gott nahe ist. Der Weg ist auf diesem Navi also ganz gut zu finden, wenn man lernt, auf die richtigen Zeichen zu achten: Auch in unserer unübersichtlichen Situation, in der sich viele gerade Sorgen machen, gibt es solche Zeichen: Christen, die nicht nachlassen, Anderen zur Seite zu stehen. Politiker, denen die Ärmsten unser-
er Gesellschaft eben nicht egal sind, Rettungsleute, die einfach denen helfen, die in Not sind, Menschen, die ganz selbstverständlich nach ihren Nachbarn sehen. All das sind Zeichen der Nähe Gottes. Weil diese Menschen seine Zuwendung weitertragen. Sie zeigen den Weg, der Jesu Weg ist, der Gottes Weg ist: Mit uns Menschen mitzugehen.

Wenn ich allerdings zu genau hinsehe, und ganz genau wissen will, wann denn das endgültige Heil anfängt, dann kann ich auf einmal nichts mehr erkennen. Selbst Engel wissen das nicht, sagt Jesus. Deshalb sollen wir uns diese vergebliche Mühe nicht machen. Wach zu sein, die Augen aufzumachen und die Zeichen zu sehen, uns also stärken zu lassen, das reicht aus. 

Herr, ich versuche, wach zu sein für Deine Wirklichkeit. Gib du mir offene Augen für Deine Zeichen und lass mich weitertragen, dass du für uns da bist.

Peer Mickeluhn, Pfarrer in Holzkirchen-Sauerlach