Auch über Halloween im Gespräch bleiben

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Martin Bei-Baier Editorial Hintergrundbild Kraus

Editorial von Chefredakteur Martin Bek-Baier im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Am Abend des 31. Oktobers kommen sie wieder. „Süßes oder Saures“ skandieren die als schaurige Gruselgestalten verkleideten Kinder und Jugendlichen dann
vor unserer Haustüre. Nicht einmal das Pfarrhaus wird verschont. Wir haben uns natürlich vorbereitet und halten Süßigkeiten bereit. Jedoch ganz so leicht mache ich es ihnen nicht: „Welcher Feiertag ist heute?“, frage ich. Neulinge fallen darauf herein und antworten prompt: „Halloween!“ Sie machen große Augen, wenn ich entgegne „Nein, Halloween ist bei uns kein Feiertag. Aber welcher Tag ist heute wirklich?“ 

Ehemalige Konfirmanden und „Wiederholungstäter“ wissen es schon: „Heute ist Reformationstag!“ So oder so, danach gibt es für alle kleinen Vampire und andere Gruselgestalten Süßkram, darunter eventuell auch die „Lutherbonbons“ mit dem Konterfei Martin Luthers.

Einmal hatte es der Reformationstag in der deutschen Öffentlichkeit aus dem Schatten Halloweens herausgeschafft, 2017 im Reformationsgedächtnisjahr. Da gedachte man an den 500. Jahrestag, als Martin Luther seine 95 Thesen veröffentlichte. Er wollte damit eine Reform seiner Kirche anregen. Er wünschte sich eine Diskussion. Die Bewegung, die er damit auslöste, ergriff nicht nur das kirchliche Leben, sondern auch alle Bereiche der Gesellschaft. Die Kirch-
enoberen reagierten harsch und lehnten jede Diskussion ab. Kommt uns das in unseren Tagen nicht gelegentlich bekannt vor? Gerade bei unseren katholischen Geschwistern tut sich soviel Positives an der Basis. Sogar viele deutsche Bischöfe ziehen mit. Und was hört man aus dem Vatikan? Beschwichtigungen bis Ablehnung.

Viele Menschen kehren zur Zeit den Kirchen den Rücken. Wie damals fühlen viele sich nicht gehört und verstanden. Wo das wirklich so ist, kommt mir das – von beiden Seiten – ein bisschen wie die Drohung „Süßes oder Saures!“ vor. Ablehnung erscheint einfacher als das gemeinsame Gespräch, das aufeinander Hören, das sich in den anderen Hineindenken, Abrücken von der eigenen Position. 

Das gilt für kirchliche und gesellschaftliche Belange – und auch für den privaten Bereich. So manches Zerwürfnis ließe sich in Gesellschaft und Familie vermeiden. Lasst uns also mehr miteinander sprechen und diskutieren und aufeinander eingehen! Und wenn sich dann doch etwas bewegt, ist das der süße Lohn der Anstrengung. 

Chefredakteur: Reportagen, Geistliches, Beilage "Tim und Tina"