Ermutigt einander!

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern mit Tipps zum Umgang mit Krisen

So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse. Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.
Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.

Epheser 5, 15–20

Dass wir in bösen Tagen leben ist offensichtlich. Aber waren die Zeiten früher besser? Die „guten alten Zeiten“ – vielleicht 1933? „Gute Zeiten – schlechte Zeiten“ tönt es seit knapp 8.000 Folgen im Nachmittagsprogramm von RTL, aber immer sind es dabei die Erfolge und Niederlagen des Einzelnen, immer ist es die Freude oder der Schmerz von Phillip, Jasmin oder wem auch immer. Und so ist es wohl auch: Jede und jeder von uns hat gute Zeiten in seinem Leben und schlechte und ja auch böse Tage sind dabei. Doch es ist die einzige Zeit, die wir haben. Das ist unser Leben, jetzt im Jahre 2022. 

Also kaufen wir die Zeit aus, wie es heißt, oder anders ausgedrückt: Machen wir das Beste draus. Und was soll das sein? Ist die Welt nicht insgesamt in einem schlimmen Zustand, so dass man eigentlich resignieren müsste? Beides gehört zusammen: meine Welt, mein Leben mit aller Freude und allem Schmerz. Und dann die große Welt mit ihren Kriegen und Katastrophen. Und ich mache jetzt das Beste draus und wie das geht, dazu gibt Paulus uns im Epheserbrief ein paar Tipps. 

Zunächst: Nüchtern bleiben. Ein klarer Verstand erleichtert das Verstehen der Welt und ein wacher Geist befähigt zum Handeln, vor allem, weil dieser wache Geist sich entfalten darf im großen, im Heiligen Geist, der von weiter oben kommt. Dazu wird uns Sorgfalt und Weisheit empfohlen, also auch eine Vorsicht, eine Zurückhaltung und Genauigkeit. Gerade in Zeiten der Krise, sei es im eigenen Leben oder im Leben der Welt ist dieses eine hohe Tugend. Mäßigung gehört dazu: Nicht gleich zurückschlagen, nicht sofort böse Worte mit ebensolchen erwidern. Weise sein heißt auch: Nachgeben. Den Kürzeren ziehen. Sich was entgehen lassen. Und im Buch Jesus Sirach lesen wir: Was auch immer du tust – bedenke das Ende. Das gilt im Privaten ebenso wie im Politischen. 

Ein weiterer Tipp des Paulus für böse Zeiten: Ermutigt einander! Du bist nicht alleine. Such dir Verbündete die deine Sicht auf die Welt teilen, die deinen Glauben teilen, mit denen du beten kannst, hoffen kannst, leben kannst, ja Gott loben kannst. Und das ist nun wirklich eine Herausforderung, gerade in schweren Tagen. Gott loben, wenn die Welt um mich herum zerfällt? Ja, gerade darum: Weil sie eben nicht zerfällt. Weil sie letztlich gehalten wird und weil der Wille Gottes, auf den wir verwiesen werden im Epheserbrief, die Liebe ist, das Gute, das Wahre, das Schöne. Weil wir seit Ostern vom Sieg des Lebens über den Tod wissen, weil wir glauben, dass das Böse schon besiegt ist. In meinem Leben und in der Welt hat einzig  Gott das letzte Wort, egal was passiert. Der Jesuitenpater Alfred Delp, ermordet in finsteren deutschen Zeiten, formulierte es so:  „Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt.“

Kirchenrat Oliver Spilker, Direktor des Schulreferates im Kirchenkreis Regensburg,

Leiter des Schulreferates im Dekanatsbezirk Landshut