Aufbruch – Gott bleibt an deiner Seite!

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte. 

1. Mose 12, 1–4

Aufbruch. Nur schnell weg hier. Die Abiturientin Tabea hat zwölf Schuljahre hinter sich, gestern Abend erhielt sie das lang ersehnte Zeugnis im roten Umschlag aus der Hand des erleichterten Direktors. Feuchtfröhliche Abifeier, Glückwünsche und Umarmungen, Freudentränen – und jetzt: Aufbruch. Ins Leben, in die Freiheit, in die Ferne. Work and travel oder etwas anderes. Aufbruch. 

Nur schnell weg hier. Damit beginnt auch die Geschichte der Väter und Mütter Israels im ersten Buch Mose. Etwas Neues beginnt. Das ist aufregend und verunsichernd. Im Gottesdienst, den die Abiturientinnen und Abiturienten mitgestalten, fällt zweimal der Satz „Es ist ungewiss, wie es weitergeht“, und das Wort „Angst“ kommt auch vor. Die Gefühle von Menschen im Aufbruch sind zwiespältig: Freudig-aufgeregt, der neuen Lebensphase hoffnungsvoll entgegenblickend, das ist die eine Seite. 

Die andere Seite beinhaltet Unsicherheit und eben auch Angst: Wie werde ich zurechtkommen mit all dem Neuen? Was erwartet mich, wenn ich die vertrauten Pfade verlasse? Gibt es da etwas, das mich trägt, jemand, der mich begleitet? 

Wie war es bei Abraham? Zu ihm hat Gott sogar direkt gesprochen. Er richtete sein Wort an Abram und sprach zu ihm: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Diese Worte sind eine Zumutung: Abram war kein junger Mann, als ihm das gesagt wurde. Er war 75, ein Alter, in dem man nicht mehr unbedingt etwas ganz Neues beginnen will. Schon gar nicht freiwillig weggehen aus der Heimat, ohne zu wissen, wohin. Aber Abram vertraut voll auf die göttliche Stimme. Er hat wohl in seinem ganzen bisherigen Leben gute Erfahrungen damit gemacht. Er bricht auf. Mit ihm geht seine Frau und sein Neffe. Ganz allein ist er also nicht. Und mit ihm geht auch das große Versprechen Gottes: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. Ein Segen sein – das heißt jemand sein, der anderen guttut. 

Ein Segen – das bist du schon seit 18 Jahren, sage ich zu Tabea und ihren Mitschülerinnen und Mitschülern. Vom ersten Lebenstag an seid ihr ein Segen, allein dadurch, dass es euch gibt, einzigartig und wunderbar, ein Geschenk. Ein Segen seid ihr durch eure Gaben: eure Fröhlichkeit, eure Lebenslust, eure Neugier, euren Wissensdurst, durch euer Mitgefühl, euren Gemeinschaftsgeist, eure Tatkraft. Ein Segen seid ihr durch euren Protest gegen alles, was das Leben beschädigt oder zerstört. Ihr seid ein Segen. Ihr tut anderen gut. Und jetzt: Aufbruch! Nur schnell weg hier – das Leben erwartet euch. Manchmal ist es traurig, oft kompliziert – aber vor allem: das Leben ist schön. Und Gott bleibt an eurer Seite.

Dekanin Karin Hüttel, Bad Windsheim