Gottes Tun – erweckt mir alle Sinnen

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Susanne Borée Editorial in der Frühlingshoffnung

Editorial von Susanne Borée im Evangelischen Sonntagsblatt über Lob in Bedrängnis

Das Editorial zum Hören:

 

Und zum Nachlesen:

Warum bis zum Ende durchhalten? Bis zur 12. Strophe schaffen es nur wenige Chöre und Gemeinden. „Doch gleichwohl will ich, weil ich noch / hier trage dieses Leibes Joch, / auch nicht gar stille schweigen.“ So beginnt eine der unbekannteren Strophen von Paul Gerhardts Sommerlied „Geh‘ aus mein Herz und suche Freud“. 

Da sind die ersten Verse viel sinnenfroher. Sie schildern das Ergrünen der Natur und die Antwort aller Geschöpfe darauf. Doch beginnt nun die Klage eines Menschen, der wenige Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg vom Leidens-„Joch“ geprägt erscheint?

So einfach geht die Geschichte nicht auf: Längst schon ordnet Paul Gerhardt im zweiten Teil seines sommerlichen Liedes den Garten der Schöpfung in die alte Lehre vom vierfachen Schriftsinn ein: Erst überträgt er sie auf die Schönheit des himmlischen Gartens (Strophen 9 bis 11). Dann wendet er sich den Aufgaben zu, die sich aus diesen Beobachtungen heraus im Leben stellen: Trotz des irdischen Jochs keine Klage, sondern „mein Herze soll sich fort und fort / an diesem und an allem Ort /zu deinem Lobe neigen“.

Die logische Folge ist also das Jubilieren – und „Glaubensfrüchte“ zu bringen und „verleihe, dass zu deinem Ruhm / ich deines Gartens schöne Blum / und Pflanze möge bleiben“ (14). Bei Bewahrung im Leben und Erwählung zum Paradies „so will ich dir und deiner Ehr / allein und sonsten keinem mehr / hier und dort ewig dienen“ (15).

All dies wird selten mitgesungen, haben wir nun ein vollkommen anderes Glaubensverständnis. Dabei gehört schon für die Engel das Lob Gottes zu ihrer wichtigsten Bestimmung.

Gleichzeitig tun wir uns schwer mit dem Namen dieses Sonntags „Jubilate“. Die kommenden Wochen in diesem nachösterlichen Dreiklang „Kantate“ und „Rogate“ („Singt“ und „Betet“) erscheinen näherliegender. Ist das „Jubilieren“ eine Vorform des Gesangs? Wohl nicht so melodiös, aber lässt das „stille schweigen“ durchbrechen. 

Halt! Kommt nicht dieses Gerhardt-Lied fast schon zu einem Geschäft mit Gott: Bewahrung und Paradies – dafür Lob und „Glaubensfrüchte“? Viel näher ist uns die 8. Strophe, die nicht zufällig heute viel öfter erschallt: „Ich selber kann und mag nicht ruhn, / des großen Gottes großes Tun / erweckt mir alle Sinnen“: Lasst uns trotz aller Verunsicherung auf das Gute blicken, das bleibt, und innere Lähmung überwinden!