„Erhalte meinen Gang auf deinen Pfaden“

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Martin Bek-Baier
Chefredakteur Martin Bek-Baier, Hintergrundbild von Pixabay

Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern von Chefredakteur Martin Bek-Baier

Das Editorial zum Hören:

 

Und zum Nachlesen:

„Hätte ich das doch nur nicht gesagt!“ Kennen Sie das, dass es ihnen leid tut, was sie zu jemanden anderem gesagt haben? Nun ist es heraus und ändert das Verhältnis zu der anderen Person. Unter Umständen hängt viel davon ab. Sie können ein ganzes Leben beeinflussen.

Dabei geht es nicht nur um die ganz großen, gewaltigen Sätze, wie Liebesbeweise oder Drohungen. In den letzten Jahren haben die Hasskommentare – gerade in den Sozialen Medien – zugenommen. Politik und gesellschaftliche Gruppen, wie auch die Kirchen, überlegen, wie dem sogenannten „Hate-speech“, der Hassrede vorzubeugen ist. 

Aber auch scheinbar unbedachte, kurze Äußerungen, können den Nächsten verletzen – oder Mut machen. Was weit wichtiger wäre. Ich habe kürzlich einen evangelischen Fernsehgottesdienst im ZDF zusammen mit meiner Mutter angesehen. Dort erzählte die Pfarrerin, wie sie Sätze ihrer Mutter – in der Kindheit ausgesprochen – bis heute beeinflussen. Als Beispiel nannte sie „In unserer Familie kann niemand singen, auch du nicht.“ Die Motivation, der Mut zu singen war für immer gebrochen. Bis heute singe sie nicht gerne öffentlich, sagte die Predigerin.

Auf der anderen Seite sagte ihre Mutter aber auch „Meine Töchter können das!“ Bis heute bestärkt das die Tochter, Situationen zu meistern.

Ich habe angefangen mit meiner Mutter darüber zu sprechen, was sie mir für Worte gesagt und wie diese mich beeinflusst haben. „Du gehst deinen Weg. Du bist doch gescheit!“, war einer der Sätze, an die ich mich erinnere. Meine Lehrer waren nicht immer dieser Meinung. Aber tatsächlich hatte ich selber nie Zweifel daran, auch wenn ich nicht immer wusste, wie dieser Weg aussehen würde.

Ein zweiter Satz hat mich dabei geleitet, mein Taufspruch: „Erhalte meinen Gang auf deinen Pfaden, dass meine Tritte nicht gleiten“, Psalm 17,5. Diese Bitte klang in meinen Ohren immer wie eine Zusage: Du, Gott erhälst meinen Gang auf deinen Pfaden, und meine Tritte werden nicht gleiten!

Solche Gottesworte sind Mutmachworte. Ja, Gott hat auch anders gesprochen. Aber vor allem gibt er Zusagen und bietet seine Begleitung an. Solche Worte tun gut und führen einen im Leben. Überlegen Sie einmal, liebe Leserin, lieber Leser, welche Worte Sie im Leben mitbekommen haben, Worte die gut taten und tun.