Was hält dich in harten Zeiten?

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern vom Münchner Regionalbischof Christian Kopp

Und es sprach Elia zu Ahab: So wahr der Herr, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn. Da kam das Wort des Herrn zu ihm: Mach dich auf und geh nach Sarepta; denn ich habe dort einer Witwe geboten, dass sie dich versorge. Sie sprach: Ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Elia sprach zu ihr: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln. 

Aus 1. Könige 17, 1–16

Nomadland, ein Film über moderne Nomaden, hat in der Coronazeit bei den Oskars dreimal abgeräumt. Jetzt läuft er in den Kinos. In „Nomadland“ verliert die Witwe Fern (Frances McDormand) alles – erst ihren Mann, dann ihren Job, schließlich ihr Haus. Sie ist nicht „obdachlos“, sie ist „hauslos“ sagt sie über ihr Leben in ihrem Wohnmobil. Sie klammert sich damit an den Rest ihres alten Lebens als wäre es ein letzter Krug mit Öl und Mehl.

Wie Zugvögel fahren moderne Nomaden wie Fern in „Nomadland“ der Arbeit hinterher – vor Weihnachten etwa in den Versand bei Amazon. Sie treffen sich auf Campingplätzen, wärmen sich gemeinsam am Feuer, stützen und ertragen sich.

Wüste und Dürre muss auch Elia ertragen. Er hat den Menschen im Land des gottvergessenen Königs Ahab eine lange Trockenheit vorhergesagt. Aber König Ahab wünscht sich positives Denken und gute Nachrichten von seinen Propheten. Am Bach Krit versteckt sich Elia vor dem wütenden König. Er ist einsam. 

Bei einer armen Witwe und ihrem Kind findet er schließlich eine neue Heimat auf Zeit. Wieder hält Gott die arme Gemeinschaft mit einem Speisewunder am Leben. Das ist schon fast eine Art Abendmahlsgemeinschaft in Sarepta.

 Die Frage nach guten Orten und guten Menschen beschäftigt viele in der Coronapandemie. Die Menschen auf der Welt haben diese Pandemie als Zeit der Wüste und Dürre erlebt. Gerade in den Wüstenzeiten des Lebens stellen sich die Fragen nach den Über-Lebensmitteln. Was hält Dich und was tröstet Dich? 

In der Eliageschichte sind es gute Orte und gute Menschen. Elia sucht und findet solche Orte, an denen er sich erholen und stärken kann. Und er findet Menschen, die gut zu ihm sind. Gastfreundschaft ist ein hohes und oft unterschätztes Gut. Gastfreundlich sind Menschen, die gut zu sich selber sind. Gastfreundlich sind auch Menschen, die selber Freundlichkeit erfahren. Wer an Gott glaubt, kann diese Freundlichkeit Gottes jeden Tag spüren.

In den dürren (und auch in den fetten) Zeiten des Lebens helfen gute Worte, die Menschen trösten und halten. Elia und Menschen seitdem finden diese Worte in der Bibel. Für viele Menschen – vielleicht auch für Elia – ist so ein Gedanke der erhebende Satz des 91. Psalms: „Denn Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“

Nomadland ist kein Problemfilm. Es wäre leicht gewesen, das Elend der in ihren Autos hausenden Tagelöhner in Kalifornien und die Folgen eines auf maximalen Profit angelegten Wirtschaftssystems anzuprangern. Aber die Witwe Fern schätzt die Freiheit des Ungebundenseins. Von den Menschen, die sie auf dem Weg trifft, muss sie sich auch nicht endgültig verabschieden. Man könnte sich irgendwo ja wiedersehen. Nomadland ist ein poetischer Film mit leisen Tönen und einem feinen Blick auf das, was schnell übersehen wird. Die „Nomadin“ Fern sucht gute Orte und gute Leute. Die gibt es überall auf der Welt.

Christian Kopp, Regionalbischof München

An dieser Stelle schreiben verschiedene Autoren für das Evangelische Sonntagsblatt.