Pieks im Gotteshaus

148
Inge Wollschläger im Editorial für das Evangelische Sonntagsblatt aus Bayern

Editorial von Inge Wollschläger über Corona-Impfungen in Kirchen

„Ich mach‘ das alles in der Kirche!“, soll eine Hausärztin gesagt haben. 

In Zeiten von Kirchenaustritten sollen ja „die Kirchen“ innovativer werden, Kräfte bündeln und  neue Ideen in die Welt bringen. All diese Sätze haben Sie, liebe Leserinnen und Leser sicherlich schon oft genug gelesen oder gehört. 

Und dann ist da noch die Kritik, dass „die Kirche“ in Zeiten von Corona sich nicht sonderlich hervorgetan haben soll. Zwar berichten wir hier im Sonntagsblatt sehr oft von großartigen Ideen und neuen Wegen, die die ein oder andere Gemeinde in ihrer Arbeit geht. Der breiten Öffentlichkeit schient das jedoch nicht bekannt zu sein. Vielleicht ist hier „die Kirche“ auch zu bescheiden oder möchte lieber „unter sich bleiben“.

Doch dann las ich von einer Hausärztin, die aus Platzmangel in ihrer kleinen Praxis in der nächstgelegenen Kirche nachfragte, ob sie hier impfen dürfte. Die Vorteile würden auf der Hand liegen: Die meisten Kirchen verfügen über genügen Platz, um auf Abstand zu sitzen und eine jede Kirchengemeinde hat im Lauf der Pandemie ein tragfähiges Hygienekonzept entwickelt. 

Nach dem Picks müssen die frisch geimpften Menschen noch einige Zeit zur Überwachung bleiben, damit man kon-trollieren kann, ob alles in Ordnung ist. 

„Bei mir bleiben alle immer ewig sitzen“, wird die Ärztin zitiert. „Und dann sitzen die Leute in den Kirchenbänken verteilt, bekommen ihre Impfung und bleiben dann nochein bisschen sitzen, meditieren und zünden eine Kerze an. Viele wollen gar nicht gehen, weil es so schön ist.“

Das ist durchaus verständlich.Ein schönerer Ort als das volle Impfzelt wie in meiner Stadt ist eine Kirche sicherlich. „Zwei Fliegen mit einer Klappe!“, höre ich meine Oma sagen. Wie viel könnten diese beide Seiten von diesem Zusammenschluss profitieren? Wie viele ungewöhnliche Ideen würden wohl noch ans Tageslicht kommen, wenn man weiter nachdenken würde? Und welche Möglichkeiten böten sich hier – mit allen Geboten der Hygiene – miteinander ins Gespräch zu kommen?

Mir jedenfalls macht diese kleine Geschichte große Freude. Zeigt sie doch, dass „die Kirche“ nicht nur ein Ort des sonntäglichen Besuch und der seelischen Gesundheit sein kann, sondern auch ganz praktisch in einer Pandemie helfen könnte.