Kirchentag digital – bald normal?

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Editorial von Chefredakteur Martin Bek-Baier im Evangelischen Sonntagsblatt

Normalerweise würden Sie in dieser Ausgabe Bilder von Pfadfindern sehen, die Karton-Hocker schleifen, Techniker die Kabel ziehen, Kirchentagsfahrten die in Frankfurt schon einmal probeweise flattern. In der nächsten Ausgabe gäbe es dann Bilder von hunderttausend fröhlichen Menschen, die singen und beten – eine bunte Menge die Gottesdienste auf einem großen Platz feiern. Aber was ist schon normal in diesen Corona-Zeiten?

Ursprünglich hatte der Ökumenische Kirchentag vom 12. bis 16. Mai Zehntausende Menschen in Frankfurt zusammenbringen sollen zu Vorträgen, Diskussionsrunden, Workshops, Gottesdiensten und Konzerten. Wegen der Pandemie wurde das Programm deutlich verkleinert, die Angebote sind überwiegend digital. Statt der ursprünglich geplanten mehr als 2.000 Veranstaltungen wird es nun etwa 80 geben, beginnend an Christi Himmelfahrt bis zum darauffolgenden Sonntag.

Ein Kirchentag digital? Warum denn das? Ein Kirchentag, der sich normalerweise dazu auszeichnet, dass sich Menschen jeden Alters und jedweder Herkunft begegnen, miteinander feiern, beten, singen und diskutieren? Jetzt aber nicht – nur digital? Muss das sein? Hätte man ihn nicht einmal verschieben können? 

Nein, er muss sein! Das sagt zumindest der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Der Ökumenische Kirchentag werde „ein kräftiges Zeichen für die Ökumene setzen“, auch wenn er coronabedingt weitgehend nur digital stattfinden könne, sagt Bedford-Strohm, laut Evangelischem Pressedienst (epd).

Bedford-Strohm rührt vor dem Kirchentag die Werbetrommel für die Einheit der Christen. Durch die ökumenischen Feiern zum Reformationsjubiläum 2017 seien katholische und evangelische Christinnen und Christen einander vertrauter geworden. Das helfe beiden Seiten heute, „so manche Hürde zu überwinden und uns nicht durch Hindernisse entmutigen zu lassen, etwa auf dem Weg zu wechselseitiger Gastfreundschaft bei Eucharistie und Abendmahl“. Das soll bei den wenigen Präsenzgottesdiensten in Frankfurt am letzten Abend möglich sein. Die Kirchen sollen und wollen in einer gespaltenen Welt ein Zeichen setzen, so der Ratsvorsitzende. Na hoffentlich wird das irgendwann einmal normal!