Wir brauchen ein bewusstes Innehalten

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über Lukas 1 von Regionalbischöfin Gisela Bornowski

Denn er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause seines Dieners David …, dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen, und Barmherzigkeit er zeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund. Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Ein Fest wie Weihnachten ohne Besuch – das geht eigentlich gar nicht! Das wurde bei der Diskussion über die nötigen Corona-Regeln in den vergangenen Wochen besonders deutlich. Wir sind froh, dass zumindest einige Besuche möglich sein werden. 

„Hast Du mir auch etwas mitgebracht?“ Das ist die Frage, die Kinder einem lang ersehnten Gast stellen. Wenn das Geschenk dann das richtige ist und der Wunsch getroffen wurde, ist der Jubel groß. 

Auch Zacharias, dem es zunächst die Sprache verschlagen hatte, lobt Gott. Mit Hilfe des Heiligen Geistes erkennt er die großen Zusammenhänge. Er freut sich, dass Gott seinen schon lange angekündigten Besuch wahr werden lässt. Als Geschenk hat Gott nichts weniger als den verheißenen Erretter dabei, der altertümlich „Horn des Heils“ genannt wird. Darüber stimmt Zacharias einen Lobgesang, sein „Benedictus“ wie es nach dem ersten Wort in der lateinischen Übersetzung genannt wird, an. Als Benedictus hat es seinen Weg in unsere Liturgie gefunden. 

Damit diese Nachricht auch wirklich bei den Menschen und schließlich auch bei uns ankommt, brauchte es neben offenen Herzen Johannes den Täufer als Wegbereiter und heute ein bewusstes Innehalten und Menschen, die es uns mit ihren Worten ganz neu sagen. Gott kommt auch zu uns in seiner „herzlichen Barmherzigkeit“! Schon an diesen Worten kann man sich in dieser in vieler Hinsicht kalten Zeit erwärmen. Gott kommt auch heute zu uns im Kind in der Krippe als „aufgehendes Licht aus der Höhe“. 

Viele spüren in diesem Jahr besonders, wir sitzen „in der Finsternis und im Schatten des Todes“.  Es sind nicht nur Corona und die Folgen, sondern auch, was die Pandemie an Brüchen in der Gesellschaft und vielleicht auch bei mir selbst offensichtlich gemacht hat. Das verstärkt die Dunkelheit dieser Jahreszeit, die sich uns aufs Gemüt legt. Doch Gott sagt seinen Besuch nicht ab. Er kommt auch nicht mit leeren Händen. Gerade jetzt erscheint uns das „Licht aus der Höhe“ und gibt neuen Mut. Jede Kerze, die wir anzünden, erinnert daran: Es ist Advent – das Licht, ja Jesus kommt auch zu mir. Wie bei Zacharias darf die Freude zurückkehren. Und Jesus nimmt auch mich mit auf den Weg des Friedens, vielleicht hin zu einem Menschen, der einen Besuch in diesen trüben Zeiten besonders braucht. In diesem Jahr geschieht dies in aller gebotenen Vorsicht, um andere und um sich selbst zu schützen, vielleicht auch mehr per Telefon. Aber auf dem Weg des Friedens werde ich das Licht, die „herzliche Barmherzigkeit“, die mich selbst wärmt, nicht für mich behalten, sondern „extra“ teilen und weitergeben. 

Oberkirchenrätin Gisela Bornowski 

Regionalbischöfin im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg

Lied 7, 6:

O klare Sonn, du schöner