Editorial, wie gemeinschaftliche Anstrengungen helfen

103
Editorial Inge Wollschläger im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

In den sozialen Netzwerken gibt es eine unterschiedlich erzählte Geschichte, die gerade die Runde macht. Sie erklärt in einem einfachen Beispiel, wie es möglich sein kann, dass Verschwörungstheorien für viele so plausibel klingen: 

Acht Ameisen tragen einen Ast. Sie wissen, sie schaffen das nur zusammen. Eine Ameise lässt den Ast los, weil sie ein „intelligenter Querdenker“ ist. Und das Insekt stellt fest: Der Ast fällt ja gar nicht runter. Bisher wurde immer geglaubt, dass der Ast herunterfällt sowie er nicht getragen wird. So hat sie es gelernt.

 Sie ignoriert folglich die Anweisungen des Ameisen-Anführers und überredet eine weitere Ameise, ebenfalls den Ast loszulassen. Vielleicht ist die erste Ameise inzwischen sogar zu einem Experten geworden. Schließlich hat sie ihre Erfahrungen gemacht: „Glaub mir: ich trage schon seit Ewigkeiten keine Äste mehr mit. Und siehe da – nichts ist passiert.

Und tatsächlich: der Ast bleibt immer noch in der Luft und fällt keiner der anderen Ameisen auf den Kopf. Der Ameisen-Anführer jedoch weiß, dass das Projekt „Ast-Expedition“ scheitern wird, wenn das so weiter geht. Er erklärt alles ganz genau. Doch leider passiert genau das Gegenteil: Anstatt einfach wieder mit anzupacken, sehen sich die Freigeister-Ameisen in ihrem Widerstand bestätigt. „Sicherlich hat der da oben was zu verbergen. Sonst würde er sich jetzt nicht so Mühe geben mit all den überflüssigen Erklärungen!“ 

Bestärkt werden sie von ein paar faulen Ameisen am Wegesrand, die noch nie in ihrem Leben einen Ast getragen haben. Genauso wenig haben sie sich jemals für das Wohl des Ameisenstaates eingesetzt. Sie sind aber grundsätzlich gegen den Ameisen-Anführer. 

Alle vergessen dabei eine zentrale Sache: Und zwar, dass sie nur deswegen in der Lage sind den Ast loszulassen, weil die restlichen sechs Ameisen den Ast weitertragen. Sie fangen das auf, was die vermeindlichen super-schlauen Ameisen nicht sehen: Dass es viel leichter wäre, und auch der Ast schneller von A nach B käme, wenn alle mitmachen würden.  

Die Zahl der an mit dem Corona-Virus infizierten Menschen steigt aktuell beständig. Helfen Sie, liebe Lesesinnen und liebe Leser mit, den ganzen Ast zu tragen. Halte sie Abstand, tragen Sie ihre Maske und beachten Sie die Hygiene. Damit wir alle gesund und behütet bleiben.