Andacht: Der Geist Gottes wohnt im Miteinander

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

In der diakonischen Einrichtung „Arche Noah“ wohnen Kinder und Jugendliche mit körperlicher, geistiger oder seelischer Beeinträchtigung.  Im Frühling 2020, auf dem Höhepunkt der Pandemie, sind Schulen, Fördereinrichtungen und Werkstätten für Menschen mit Behinderung geschlossen. Alle müssen den ganzen Tag daheim bleiben in ihren Wohngruppen.

Eine große Herausforderung für Kinder und Jugendliche, für die Betreuerinnen und Betreuer, für den Seelsorger, der sonst ein regelmäßiger Besucher dort ist und als „unser Pfarrer“ geschätzt wird. Wer darf überhaupt noch das Haus betreten? Wie kann der Alltag organisiert werden? Was ist, wenn ein Bewohner oder eine Mitarbeiterin erkranken? Gibt es genug Schutzmaterial, Kittel und Masken für alle Fälle?

Was sich bewährt, ist das Miteinander: Das Miteinander der Verantwortlichen in regelmäßigen Krisensitzungen. Dort findet ein beständiger Austausch über die Situation und die anstehenden Probleme statt. Im Miteinander wächst die Zuversicht. 

Gottvertrauen erweist sich als eine Quelle der Kraft: Die Diakonie ist im Auftrag des Herrn unterwegs. Von dem wird gesagt: „Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Im Miteinander blüht der Einfallsreichtum: Den Kindern und Jugendlichen muss erklärt werden, warum ihr Leben sich so einschneidend verändert. Daraus entsteht die Idee einer Corona-Zeitung für die Einrichtung. Die Gestaltung der Zeitung bereitet allen so viel Freude, dass daraus ein dauerhaftes Gemeinschaftsprojekt wird. Aus den jungen Bewohnerinnen und Bewohnern sind Redakteure geworden. 

Es ist kein Besuch möglich. Mitarbeiter fahren zu einer Großmutter. Sie zeichnen Sätze und Bilder auf, so dass die Oma dem Kind trotzdem nahe sein kann. Der Pfarrer zieht Klinik-Dienstkleidung und einen Mund-Nasen-Schutz an. Er sieht ein bisschen komisch aus und alle müssen Abstand zu ihm halten, aber im Gemeinschaftsraum hören die Kinder Geschichten aus der Bibel. Die Mitarbeiter haben einen Ansprechpartner.

Im Miteinander wird das Miteinander stärker: „Wir haben so tolle Kinder“, sagen die Betreuerinnen und Betreuer. „Ich bin traurig. So lange war Mutti nicht da. Wegen Corona ist das so. In der Arche ist es auch schön“, sagen die Kinder. 

Jetzt im Herbst schauen alle gemeinsam zurück und stellen fest: Wir haben eine schwere Zeit durchgestanden. Es war nicht immer leicht. Manchmal hatten wir Angst. Es ist noch nicht vorbei. Aber wir haben viel gelernt und uns bewährt. Wir sind enger zusammengewachsen in der Einrichtung. Wir werden mit dem umgehen können, was noch kommt. 

Im Miteinander war der Geist Gottes spürbar. „Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.“ Was das im Alltag bedeutet, das konnte man in der „Arche Noah“ und an vielen anderen Orten des Miteinanders während der Pandemie spüren und erleben. Da, wo sich Menschen nicht von der Furcht überwältigen ließen, sondern sich für den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit geöffnet haben. Das gibt Zuversicht für die kommenden Monate.

Pfarrerin Edda Weise, Vorsteherin und Vorstandsvorsitzende,

Pfeiffersche Stiftungen, Magdeburg und Dekanin in Würzburg

Gebet:

Herr, schenke uns deinen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit und geleite uns durch die kommenden Wochen und Monate. Amen.