Editorial: Verantwortungsvolle Gottesdienste

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Seit ein paar Wochen sind Gottesdienste in Bayern wieder erlaubt. Die Landeskirche machte Vorgaben zum Schutz vor Covid-19, die die Gemeinden vor Ort umsetzen müssen. Uns erreichen derzeit immer wieder Zuschriften von Lesern, die die Vorschriften und Empfehlungen der Landeskirche als zu übertrieben kritisieren. Weniger würde doch auch ausreichen. Aber gleichzeitig erschreckt uns die Nachricht, dass sich über 200 Menschen in Frankfurt bei einem Gottesdienst mit Covid-19 angesteckt haben. Derweilen praktizieren die meisten evangelischen Gemeinden in Bayern die Vorsichtsmaßnahmen unaufgeregt, sachlich und mit der nötigen Sorgfalt. 

Ein Beispiel: In der kleinen Kirchengemeinde Insingen im Dekanatsbezirk Rothenburg stehen am Eingang der Kirche Kirchenvorsteherinnen, die die Gottesdienstbesucher begrüßen und Handdesinfektionsmittel in die Hände geben. Sie selbst tragen Einweghandschuhe. Die Plätze auf die man sich setzen soll und die den nötigen Abstand zueinander aufweisen, sind mit gut sichtbaren Aufklebern gekennzeichnet. Eine Nachbargemeinde hat sich mit Bierfilzen beholfen. Bis zu 35 Personen passen so in die kleine Kirche. Bis jetzt reicht das. 

Die Kirchentüren in Insingen bleiben während des Gottesdienstes offen, damit man nicht die Klinke anfassen muss. Pfarrerin Sabine Baier trägt einen Gesichtsschutz aus Plexiglas. „Mit Mund-Nasen-schutz versteht man mich schlechter und sieht meine Mimik nicht. Das ist aber gerade bei der Predigt doch wichtig“, sagt sie.

Klar gibt es im Dekanat auch größere Kirchen, in denen der Pfarrer die empfohlenen zehn Meter einhalten kann, um ohne Mund-Nasenschutz Gottesdienst halten zu können. Doch eine kleine Dorf-kirche hat diesen Luxus nicht. Die Gemeindeglieder nehmen diese Maßnahmen allerdings gelassen auf und sind ihnen gegenüber aufgeschlossen, so Pfarrerin Baier. Das sei nun einmal so und Sicherheit und Gesundheit gingen vor, sagen die meisten.

In der Christuskirche in Kempten im Allgäu – ein zweites Beispiel – sind die Voraussetzungen einfacher. Sie ist flexibel bestuhlt, so dass die Gemeinde einfach Stühle entfernt hat um den Abstand zu wahren. Sollten dennoch mehr Besucher kommen, bietet Pfarrer Martin Weinreich an, eine Stunde später den Gottesdienst noch einmal zu halten. So dass keiner auf den Gottesdienst verzichten muss.