Andacht: Ich bin ein Zeuge

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Susanne Borée, Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern

Brüder und Schwestern, ich will euch auf die gute Nachricht hinweisen, die ich euch verkündet habe. Ihr habt sie ja angenommen und sie ist euer fester Grund. Durch sie werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe.


aus 1. Korinther 15, 1–11

An Ostern feiern wir: Christus wurde begraben und am dritten Tage auferweckt, wie es in den Schriften steht. Er hat sich Kephas gezeigt, danach auch den Zwölf. Später sahen ihn mehr als fünfhundert Geschwister auf einmal, die meisten sind heute noch am Leben. Ganz zuletzt ist er auch mir erschienen als einem Spätgeborenen.

Ich gehe ins Internet und schaue, was andere Menschen gepostet haben: Fotos ziehen vor meinen Augen vorbei – wunderschöne Sonnenuntergänge, gutes Essen, fröhliche
Jugendliche auf ihrer Sommerfreizeit, eine Ansicht von Taizé und – eine Mülltonne. Hier haben Zeitgenossen auf ihre Art Gott gesehen.

Es sind einige, die solches Zeugnis ablegen, aber ganz oben auf der Hitparade der Schlagworte steht Gott zu sehen nicht gerade.

Als Nutzer sozialer Medien ist es meine ständige Aufgabe, zu beurteilen, was ich sehe – ist es glaubwürdig oder will es mich manipulieren? Vor dieser Entscheidung stehe ich bei jedem Eintrag wieder. Es ist die Unterscheidung der Geister, die auch Paulus schon kennt: Welche Menschen, die behaupten, die Wahrheit zu sagen, tun das auch wirklich?

Das, was ich sehe, glaube ich. Warum? Weil auch ich, als eine unzeitige Geburt, schon Gott gesehen habe. Der Auferstandene, von dem der Apostel berichtet, ist mir selbst begegnet. Nicht so wie Paulus, den er geblendet und vom Pferd geworfen hat. Nein, eher so wie den anderen im Internet: indem ich seine Berge bewundere, seine Gaben genieße, die geistliche Aura atme von besonderen Orten wie Taizé. Er ist mir begegnet in der begeisternden Gemeinschaft von Fremden, die mir zu Geschwistern wurden – am Tisch des Herrn oder einem Biertisch auf dem Zeltplatz.

Ich glaube, es ist wahr, was Paulus berichtet und was ich aus eigener Anschauung weiß: Gott lebt. Er zeigt sich. Mir und anderen Menschen auf der Welt. Jeden Tag. Als Christ sperre ich Augen, Ohren und Herz nach ihm auf. Den Strom an Eindrücken, Begegnungen und Erlebnissen, die täglich an mir vorbeiziehen, filtere ich gedanklich nach seiner Anwesenheit. Damit reihe ich mich ein in die Kette jener Zeugen, die Paulus beschreibt und die seit dem ersten Ostern vor langer Zeit reicht bis zum heutigen Tag. Wie wir an Ostern sagen: „Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Johannes Amberg, Pfarrer, Jugendkirche, Nürnberg

Gebet:

Jesus Christus, derselbe gestern, heute und morgen! Du hast den Tod überwunden, die Grenzen von Sein und Nichtsein. Erscheine uns und mach uns bereit, dich zu sehen. Du bist ein lebendiger Gott mit uns. Amen.

Lied 117:

Der schöne Ostertag