Editorial: Den Glauben als Geschenk annehmen

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Martin Bek-Baier
Chefredakteur Martin Bek-Baier, Hintergrundbild von Pixabay

Glauben kann man nicht machen, man kriegt ihn geschenkt“ ist einer der Sätze, die ich noch aus dem Religionsunterricht in meiner Schulzeit weiß. Er begleitet mich seit damals. In der Studentenzeit hab ich ihn hinterfragt. Heißt das dann, ich hab gar nicht zu verantworten, dass ich glaube? Es wurde von Gott so gewählt. Was ist mit denen, die sagen, „Ich kann nicht glauben“? Haben sie ihren Unglauben dann auch nicht zu verantworten? Wurde auch das von Gott bestimmt?

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“, lautet die Jahreslosung und steht in Markus 9,24. Im Grunde ist es eine zutiefst reformatorische Aussage. Niemand kann sich den Glauben durch Werke erringen. Und doch ist es so, dass Glaube oftmals durch ein Ringen mit dem Unglauben entsteht und sich herauskristallisiert. „Hilf meinem Unglauben“ bittet der Vater, der sich große Sorgen um seinen kranken Sohn macht.

Einerseits gesteht er damit ein, dass er unfähig ist etwas an dem Gesundheitszustand des Kindes zu ändern. Aber auch, dass er um die Schwäche seines Glaubens weiß. Er gesteht auch hier ein, dass er an der Festigkeit seines Glaubens alleine nichts regeln kann.
Andererseits tut er damit irgendwie doch etwas in Sachen Glauben. Er gesteht seine Schwäche ein und vertraut sich ganz Jesus Christus an. Lautet dann die Antwort auf meine Fragen, „Ja, der Glaube ist zwar geschenkt, aber er muss erbeten, angenommen, manchmal errungen sein“?

Ein anderer Satz aus meinem Studium hilft mir da weiter: „Man kann das Wort ,glauben‘ auch mit ,vertrauen‘ übersetzen.“ Dann lautet die Jahreslosung vielleicht so: „Ich vertraue dir ja, so gut ich kann, aber manchmal kann ich es nicht. Hilf mir dir ganz zu vertrauen.“ Dann wäre Glaube und Vertrauen in Gott das Gleiche und das Geschenk, das wir empfangen können, wäre ein Anstoß, eine Hilfestellung zum Vertrauen in Gott.

Und das führt mich zu einem dritten Satz, der mir wichtig geworden ist: „Glaube bekommt man durch Vorbilder!“ Da ist zuerst an Eltern, Großeltern und Religionslehrer gedacht. Aber wenn ich auf den Glauben in der Glaubensgeschichte schaue, fällt mir Martin Luther ein, der enorm um den Glauben ringen musste. Unten auf dieser Seite ist er mit dem Ausspruch „Gottes Geist macht frei“ abgebildet. Und so schließt sich der Kreis. Es ist Gottes Geist der wirkt.