An Erfahrungen reicher und gestärkt

Am Strand und unter Pinien die Kirche kennenlernen: Konfirmandenunterricht am Pinienstrand ist seit zehn Jahren eines der Markenzeichen der evangelischen Kirche im Dekanatsbezirk Schwabach.
Am Strand und unter Pinien die Kirche kennenlernen: Konfirmandenunterricht am Pinienstrand ist seit zehn Jahren eines der Markenzeichen der evangelischen Kirche im Dekanatsbezirk Schwabach. Fotos: Bek-Baier

 

Das Schwabacher Konfi-Camp in Italien lebt durch den Einsatz der Ehrenamtlichen

Es war ein besonderer Moment der Stille. Nur das Knistern des Lagerfeuers vermischte sich mit dem Rauschen des Meeres. Die feierliche Stimmung der rund 180 Konfirmanden und Mitarbeiter hatte ihren Höhepunkt erreicht. In kleinen Gruppen traten sie schweigend an das Feuer und warfen andächtig ihre Gebetszettel in die Flammen. Der Strandgottesdienst am Abend war für viele der Jugendlichen ein prägendes Erlebnis des Konfi-Camps.

Lido di Spina ist ein Ferienort mit einem schier endlos langem Badestrand an der italienischen Adria und für die Konfirmanden aus dem Dekanatsbezirk Schwabach eine Mischung aus Ferienlager und Klassenzimmer unter freien Himmel. Aufgeteilt auf zwei Wochen verbrachten insgesamt 250 Jugendliche aus den evangelischen Gemeinden um Schwabach ihren außergewöhnlichen Konfirmandenunterricht auf einem Campingplatz.

" Der Anfang des Berichts, bis hierhin, entstammt der Feder von Konfirmanden, die in einem Workshop die Grundlagen des Journalismus erfahren wollten. Natürlich ist das die Kür. Das übergeordnete Lern- Thema lautet: "Als Christ im Alltag leben".

Im Schatten der Pinien sitzen daher die Konfis aus Kammerstein und Barthelmesaurach, singen moderne Kirchenlieder zur Gitarre und hören von den zehn Geboten. Sie nennen sich kurz "KaBa" in Anspielung auf ihre Kirchengemeinden. Und wenn die anderen Konfis stichelnd skandieren "KaBa nur zum Frühstück", dann stärkt das die Identität der Gruppe und man rückt enger zusammen.

Die zehn Gebote hat sich das Gemeindeteam um Jan (19), Jonas (20) und Tirza (18) als Thema vorgenommen und versucht sie in die Welt der jungen Leute zu übersetzen.

Das Konfi-Camp ruht auf den Schultern vieler Ehrenamtlicher, wie von Jonas, Tirza und Jan (oben). Gerade die Gottesdienste am Strand (im Bild: Pfarrer Michael Wolf) bleiben vielen der Konfirmanden im Gedächtnis.
Das Konfi-Camp ruht auf den Schultern vieler Ehrenamtlicher, wie von Jonas, Tirza und Jan (oben). Gerade die Gottesdienste am Strand (im Bild: Pfarrer Michael Wolf) bleiben vielen der Konfirmanden im Gedächtnis.

"Das 6. Gebot ist beispielsweise für die Jugendlichen selbst zwar noch weit weg", wissen die drei, "aber viele der Kinder haben in ihrer eigenen Familie leider Erfahrungen damit machen müssen." Hier ist ein behutsamer Umgang mit dem Thema wichtig. Die drei Ehrenamtlichen sprechen daher mit den Konfis zunächst über die Rollenverteilung von Mann und Frau. Dazu haben sie mit Barbiepuppen eine anschauliche Unterrichtsstunde vorbereitet, die gut ankommt.

"Es ist eine Mischung aus Lern e n und Spaß, Gemeinschaft und Pflichten, alles, was die Konfis im Urlaub mit den Eltern so nie machen könnten", sagt Christoph Ziegler (25, Roth) von der Konfi-Camp-Leitung.

Er weiß wovon er spricht. Er ist selbst als Jugendlicher mit dem Camp groß geworden, das in diesem Jahr zum zehnten Mal veranstaltet wurde. Gerade auch die Pfarrer und ehrenamtlichen Mitarbeiter die das Konfi- Camp begleiten, seien hier ganz anderes zu erleben als Zuhause. Es gilt eben alles zu teilen. Die Mittags-Hitze unter den Tarnnetzen auf dem gemeinsamen Essensplatz, der Unterricht im Sand unter Schatten spendenden Pinien, das Übernachten im Zelt bei donnerndem Gewitter und die Stechmücken – Naturereignisse, die alle betreffen, Jugendliche wie Mitarbeiter.

"Die Kombination aus Urlaub und Arbeit schweißt die Gruppen zusammen", sagt Pfarrer Michael Wolf aus der Gemeinde Rohr. Er ist überzeugt davon, dass nur im Konfi- Camp Mitarbeiter und Konfis so gut zu einem Team zusammenwachsen können. "Die Konfis können hier ehrenamtliche junge Gemeindeglieder im Unterricht erleben, die von ihre m Glauben weitergeben", so Wolf begeistert. Mit einer Taufe eines Konfirmanden im stürmischen Mittelmeer sorgte Wolf für eine weitere besondere geistliche Erfahrung.

Der Unterschied zu anderen Jugendfreizeiten ist auch der, dass die Gemeinschaft nach den Wochen in Italien nicht zu Ende ist. Sie findet in der Konfirmandenzeit – und weit darüber hinaus in der heimischen Kirchengemeinde – ihre Fortsetzung .

Und so sind viele der rund 80 Mitarbeiter selbst einmal als Konfis hier dabei gewesen. Zuhause sind sie der Gemeindearbeit treu geblieben und tragen nun selbst das Konfi-Camp. "Ohne diese ehrenamtlichen Mitarbeiter ginge hier gar nichts", sagte Ziegler. Viele der Helfer planen ihren Jahresurlaub um das Konfi-Camp herum. So wie Martin Jungkunz, den hier alle liebevoll nur "Bär" nennen.Der 25-jährige Informatiker aus Roth arbeitet derzeit in Dublin und setzte sich eigens in den Flieger um hier für drei Wochen mitmachen zu können. Er schwingt das Zepter in der Küche – pardon den Kochlöffel.

"Egal welchen Beruf man sonst hat, du wirst hier mit all deinen Fähigkeiten gefordert!" Einerseits möchte "der Bär" zum Gelingen des Camps beitragen, indem er einen reibungslosen Ablauf in der Küche garantiert.

Anderseits zieht er für seinen eigenen Alltag Kraft aus seiner ehrenamtlichen Mitarbeit: "Man kehrt jedes Mal an Erfahrungen reicher und gestärkt zurück!"

Martin Bek-Baier

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