Ausgewogene und praktikable Regelungen

Bedford-Strohm
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bei seiner Ansprache. Foto: Borée

Reden am Eröffnungstag der Landessynode in Augsburg

Mit einem Aufruf, den Deutschen Evangelischen Kirchentag endlich wieder nach Bayern zu holen, eröffnete Synodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll am vergangenen Montag in Augsburg die Frühjahrstagung der bayerischen Landessynode. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm begann seinen Bericht vor den Synodalen mit dem Plädoyer für ein politisches Christentum.

 "Wo den Armen Unrecht geschieht, muss ein Christ aus Liebe politisch Einspruch erheben", sagte er. Politik habe die Aufgabe, "das Recht so zu gestalten, dass es für Gerechtigkeit sorgt, Frieden wahrt und Schwache schützt". Wer die Politiker "pauschal abqualifiziert, hat keine Ahnung, wovon er redet", so Bedford-Strohm unter dem Beifall der gut hundert Synodalen in der Augsburger St.-Anna-Kirche. 

Von dem am Vortag gewählten neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck - er war in der DDR Pfarrer - erhofft sich der bayerische Landesbischof, dass er "aus reformatorischer Tradition" seinem Land "die ethische Orientierung gibt, die es braucht".

Zum Schwerpunktthema der Frühjahrssynode "Bildung mit jungen Menschen" sagte der Bischof: "Die Frage nach der Bildungsgerechtigkeit gehört ins Zentrum der politischen Debatte." Er kritisierte, dass die Bildungschancen von Kindern oberer Sozialschichten deutlich höher seien als die der unteren Sozialschichten. "Als reformatorische Kirche der Bildung wollen wir alle Bemühungen zur Verbesserung unseres Bildungssystems konstruktiv-kritisch begleiten." 

Weiter dankte Bedford-Strohm "allen Religionslehrerinnen und -lehrern für ihre Arbeit" und unterstrich außerdem den großen Wert "zweckfreier Bildungsprozesse", die nicht nur auf den Erfolg im Examen abzielen.

Die NPD "vertritt menschenverachtende politische Auffassungen", sagte der Bischof in seinem Bericht, "die Mitgliedschaft in dieser Partei ist deswegen aus meiner Sicht mit dem christlichen Glauben unvereinbar". Die NPD sei rechtsextremistisch und sollte verboten werden. Bedford-Strohm plädierte für "Aussteigerprogramme", die "Menschen mit rechtsextremer Haltung zur Umkehr ermutigen". Christen dürften aber niemals die Menschen verurteilen, sondern "ihre Taten und ihre Haltungen".

Hinsichtlich der Diskussion einer Verfassungsänderung zum Verhältnis Christentum - Judentum betonte Bedford-Strohm: "Es geht darum, dass wir die unselige Tradition des Antijudaismus, die den Antisemitismus in der Geschichte immer wieder befördert und dadurch so viel Leid angerichtet hat, in der Kirche endgültig zu überwinden." Für den Bischof ist es "richtig, dass eine entsprechende Passage in den Grundartikel unserer Verfassung kommt". Zu Beginn der Tagung bat er die Synodalinnen und Synodalen, bei ihren Beratungen mehr auf das gemeinsame Ziel zu schauen als auf womöglich ungeklärte "theologische Feinheiten".

Als leidenschaftlicher Internet-Freund zeigte sich Bedford-Strohm, als er auf die vor drei Monaten eröffnete "offizielle landesbischöfliche Facebookseite" zu sprechen kam. Sie sei "eine sehr unkomplizierte Art, mit Menschen in Kontakt zu treten und etwas über ihre Meinung über Gott und die Welt zu erfahren". Seit dem Jahreswechsel sei auch eine Neukonzeption der landeskirchlichen Internetseite www.bayern-evangelisch.de im Gange.

Er stimmte dem zuvor von Synodalpräsidentin Deneke-Stoll angeregten Gedanken zu, den Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) nach Bayern einzuladen. "Ob für das Jahr 2023 oder schon vorher, hängt von den Planungen ab", meinte der Bischof. "Kirchentage sind eine Form öffentlicher Theologie, die unsere Gesellschaft dringend braucht."

Die Synodalpräsidentin hatte in ihrer Eröffnungsrede daran erinnert, dass der DEKT 1993 in München und 1979 in Nürnberg stattgefunden hat. Es sei "einmal wieder Zeit, hierher nach Bayern einzuladen" - Deneke-Stoll nannte Nürnberg als möglichen Veranstaltungsort und 2023 als mögliches Jahr. Sie legte den Synodalen nahe, von Augsburg aus "einen Impuls in diese Richtung" zu geben, "etwa im Sinne eines Meinungsbildes".

"Ausgewogene und praktikable Regelungen" habe der Ausschuss hinsichtlich des "Zusammenlebens von in einer eingetragenen Partnerschaft lebenden Pfarrerinnen und Pfarrern im Pfarrhaus" gefunden. Dabei würde "am Leitbildcharakter von Ehe und Familie festgehalten". 

Deneke-Stoll zur Wahl neuer Kirchenvorstände im Oktober: "Ich will denen, die zurzeit darüber nachdenken, ob für sie eine Kandidatur in Frage kommt, Mut machen, diesen Schritt zu gehen." Eine Mischung aus erfahrenen und aus neuen Kirchenvorstehern und -innen "ist am besten geeignet, die Gemeinden gut zu leiten". Nicht zuletzt wünscht sich die Präsidentin eine hohe Wahlbeteiligung. Erstmals sei eine vereinfachte Briefwahl möglich, so Deneke-Stoll.

 

 

                            Frank Wairer