Andacht: Von der Traurigkeit zur Freude

Jesus am Meeresstrand
Jesus am Meeresstrand. Bild: sob

Jesus sprach: Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. Und auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. An dem Tag werdet ihr mich nichts fragen.  

                                                            Aus Johannes 16,16-23 

 

Jubilate Deo omnis terra - jauchzet Gott alle Lande! So heißt es im Wochenpsalm dieses Sonntags, nach dem er auch seinen Namen hat: Jubilate! Jubelt, jauchzt! 

Wunderbar, wenn einem gleich etwas in den Sinn kommt, das einen jauchzen lässt. Vielleicht gehört dazu ja auch der Osterjubel, der bei dem einen oder dem anderen noch lebendig ist als Freude über die Erfahrung eines Lebens, das blüht und gelingt. Aber ist es nicht meistens doch eher so, dass sich der Alltag mit seinen mancherlei Problemen und seinem Grau-in-Grau wie Mehltau auf die Seele legt? Und erst recht bleibt einem das Jubilieren im Halse stecken, wenn man auf die Meldungen sieht, die täglich die Schlagzeilen bestimmen: Krieg, Gewalt, Katas­trophen - der Tod hat das Heft in der Hand. Grund genug eher für Traurigkeit und Tränen als für Jubel.

Auch in diesem Bibelabschnitt ist von Traurigkeit und Schmerzen die Rede. Jesus sagt sie im Angesicht seines nahenden Todes und in der Situation des Abschieds. Jesus möchte seine Jünger auf das vorbereiten, was auf sie zukommt und will sie trösten. Die Zeit ihrer Gemeinschaft geht zu Ende, und das ist verbunden mit Abschiedsschmerz, dem Gefühl des Zurückgelassenseins, Einsamkeit, Angst. Und doch: Es handelt sich nur um "eine kleine Weile". Das haben die Jünger zunächst nicht verstanden. Diese "kleine Weile" sollte zwei Tage dauern, von Karfreitag bis zum Ostermorgen. Die Zeit zwischen der Kreuzigung und der Auferstehung. Die Zeit zwischen der Verzweiflung und der Freude. 

Wir haben vor drei Wochen wieder das Osterfest gefeiert. Aber bei allem Jubel über den Sieg des Lebens über den Tod erfahren wir es immer wieder: Wir leben noch nicht in der fraglosen Freude ungebrochener Gemeinschaft mit Gott.

Mit dem Bild der gebärenden Frau stellt er vor Augen, dass unser Leben - wie bei einer Geburt - ohne Schmerzen und auch Ängsten nicht auskommt, die aber nicht Zeichen sind eines kommenden Endes, sondern Zeichen kommenden Lebens; Schmerzen, die verwandelt werden in das Glück eines wunderbaren neuen Lebens, in das Glück einer neuen Gotteserfahrung.

Das gibt Jesus uns mit auf den Weg von Karfreitag nach Ostern. "Was auf euch wartet, ist die Freude, die euch niemand nehmen soll", sagt Jesus. "Ich will euch wiedersehen. Vergesst das nicht!" Diese Zusage ist tiefster Grund zur Freude. Und allein daraus kann es heißen: Jubilate!  

                              Michael Scheiberg

                              

Gebet:

Du wunderbarer Gott, du kannst Trauer in Freude verwandeln und Angst in Zuversicht. Lass uns deine rettende Gegenwart spüren, damit unser Herz weit wird. Dich rühmen Himmel und Erde in Ewigkeit. Amen.

 

Lied: EG 108:

Mit Freuden zart

 

 

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