Andacht: Eine heilvolle Geschichte

Opferung Isaaks
Isaaks Opferung in der Kirche zum Heiligen Kreuz, Weiler an der Zaber. Bild: Schmelzle

Und Gott sprach: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde. Da stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und nahm mit sich zwei Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging hin an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hatte. ...

Und als sie an die Stätte kamen, die ihm Gott gesagt hatte, baute Abraham dort einen Altar und legte das Holz darauf und band seinen Sohn Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz und reckte seine Hand aus und fasste das Messer, dass er seinen Sohn schlachtete. Da rief ihn der Engel des HERRN vom Himmel und sprach: Abraham! Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. Er sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen.

 

 

                                                            Aus 1. Mose 22,1-3 

Welch grausame Geschichte! Hat Gott wirklich von Abraham verlangt, dass er seinen lange ersehnten und verheißenen Sohn schlachten soll? Oder wird hier exemplarisch etwas erzählt, was nur auf den ersten Blick grausam scheint?

Abraham wird in der Bibel an vielen Stellen als Vorbild im Glauben dargestellt. Auf Gottes Geheiß hin bricht er auf in ein unbekanntes Land, lässt sein bisheriges Leben hinter sich und wagt den Weg ins Ungewisse, obwohl er nicht mehr der Jüngste ist. Später vertraut er gegen alle Vernunft der Ankündigung, dass die alte Sara ihm einen Nachkommen schenken würde. Sollte Gott nun wirklich zurückfordern, was Abraham und Sara von ihm bekommen hatten?

Abraham hatte erfahren, dass er seinem Gott in allen Lebenslagen vertrauen kann. Dass Gott mit ihm ist in allen Höhen und Tiefen. Dass der Glaube an diesen Gott durchs Leben trägt. Vielleicht hätte er ihm sogar sein Liebstes geopfert - aber das sollte er gar nicht! Gott hat dieses Opfer selbst gebracht, damit wir Menschen dem Leben zugewandt sein dürfen und befreit leben können.

Und doch werden in unseren Tagen unzählige Menschen zu Opfern. Von Diktatoren nicht nur in der arabischen Welt, die ihre Macht mit jeder Form von Gewalt festhalten und sichern wollen. Von Technologien, die eben nicht in letzter Konsequenz beherrschbar oder kontrollierbar sind, wie Fukushima und Tschernobyl auf dramatischste Weise vor Augen geführt haben.

Dem Streben nach Einfluss, Geld oder Macht werden Beziehungen oder die Gesundheit geopfert. Und Fortschritt und Entwicklung in den reichen Ländern der Erde verdanken sich viel zu oft der Ausbeutung derer, die nicht in der Lage sind, sich zur Wehr zu setzen.

Gott hat uns einen anderen Weg zur Wahrheit und zum Leben offenbart, der solcher Opfer nicht bedarf: Seinen Sohn Jesus Christus. Er hat uns gelehrt, dass Friede möglich ist oder wie köstlich die Gerechtigkeit schmeckt, die vor Gott gilt. Wir erfahren sie dort, wo Menschen sich einsetzen: für einander, für die Bewahrung der Schöpfung, für eine lebenswerte Welt auch für unsere Kinder. Oder dort, wo Barmherzigkeit vor Rechthaberei geht und Vergebung vor Unversöhnlichkeit.

Nicht immer ist es leicht, den Weg Gottes so vertrauensvoll anzunehmen, wie Abraham es vorgemacht und Jesus vollendet hat. Aber wir sind nicht alleine unterwegs, und jeder Schritt lohnt sich. Welch heilvolle Geschichte!

                              Almut Held, Zirndorf

                             Dekanin im Bezirk Fürth, Region Süd

 

Gebet:

Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erde ein Ärgernis und eine Torheit werden: so sei's doch mir, trotz allen frechen Spottes, die Weisheit Gottes. Amen. (EG 91)

 

 

Lied: EG 395:

Vertraut den neuen Wegen

 

 

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