Teil 8: Pfarrer Arne Schnütgen

Arne Schnütgen
Pfarrer Arne Schnütgen bringt nichts aus der Ruhe. Foto: Leykamm

Emetzheim. Den Mann scheint nichts aus der Ruhe bringen zu können. Pfarrer Arne Schnütgen muss sich zwar als Geistlicher für zwei Pfarrstellen des Öfteren förmlich zweiteilen - aber er wirkt eigentlich immer freundlich, aufgeschlossen und konzentriert. Und Zeit für seine Frau und seine vier Kinder findet er auch noch. Ab und zu aber wird dem 44-Jährigen die Belastung auch einmal zuviel - seine Schäfchen aber lässt er dies nicht spüren. 

"Eigentlich bin ich schon immer im Teildienst tätig", erinnert sich der in Neustadt an der Aisch geborene Pfarrer. Denn schon in seiner sechsjährigen Pfarrerausbildung im Kongo hat er sich die Arbeit mit seiner Frau Tatjana geteilt. Die Religionspädagogin absolviert gerade ihr Vikariat - danach wird sie ihren Mann bei der Besetzung seiner beiden halben Stellen in Mittelfranken noch stärker zur Seite stehen können und sie mit ihm teilen. Bis dahin "teile ich mit mir selbst", schmunzelt Arne Schnütgen. 

Ein Sprengel, den er betreut, trägt den illustren Namen "Weißenburg westlich der Bahnlinie". Sein Pfarramt steht in Emetzheim - die dortige Gemeinde ist Schnütgens zweites Gebiet, das er als Pfarrer betreut. Oder eben das Erste der beiden, je nach Lesart. Bis vor kurzem hat er auch noch im Nachbarsprengel Weimersheim als Vakanzvertretung fungiert - "ganz nebenbei", so der Geistliche. 

Dass es funktionieren kann, Emetzheim und Teile Weißenburgs parallel zu betreuen, da­ran hatten auch die Kirchenvorstände ihre Zweifel. Aber sie mussten in den sauren Apfel beißen, "die halbe Stelle in Emetzheim wäre sonst nicht zu besetzen gewesen", so Schnütgen nüchtern. "Aber der Spagat ist ganz gut lebbar." Und zwar deswegen, weil ein Vertrag klar regelt, "was ich tun soll und was ich nicht tun muss." Außerdem nimmt sich der Pfarrer die Freiheit, einigen der Sitzungen, die er dank seines großen Aufgabengebietes besuchen sollte, nicht zu beehren - nach Absprache natürlich. Denn gerade sie seien doch "etwas nervig", so Schnütgen. 

Richtig stressig werde es zur Osterzeit. Denn dann muss er seinen Konfirmanden den letzten Schliff geben - und bereits erste Schritte mit den neuen Konfirmanden gehen. Im kommenden Jahr will der Pfarrer das Gedränge an Ostern entzerren. Auch an Weihnachten geht es rund: Seine Frau und er halten von Heiligabend bis zum zweiten Feiertag insgesamt zehn Gottesdienste - in einem von ihnen sind auch die Kinder im Alter von sieben bis 18 Jahren dabei. "Sie kennen das nicht anders - das ist für sie normaler Alltag", so der Papa. Im restlichen Kirchenjahr steht Schnütgen auch vor großen Herausforderungen - ab und zu muss er drei Gottesdienste am Stück halten. "Das ist schon grenzwertig", gibt er zu. 

Und er muss sehr wohl überlegen, wie er sich das Leben einfacher machen kann. Seine Emetzheimer Predigt kann er nicht so ohne weiteres am nächsten Sonntag in Weißenburg wiederholen - "denn viele Emetzheimer kommen nach Weißenburg", so Schnütgen. Aber die Doppelbelastung bringe auch Vorteile, ist er überzeugt. "Wenn ich an einem Ort nicht erreichbar bin, meinen die Gläubigen, der Pfarrer hat bestimmt Wichtiges an seiner anderen Wirkungsstätte zu tun", bekennt der Pfarrer, "aber das ist nicht immer der Fall ..."

                                    Jürgen Leykamm

 

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