Teil 3: Pfarrer Ralf Frisch

Ralf Frisch
Ralf Frisch. Foto: Blaß

Bayreuth. Bildung und Seelsorge, Lehre und Kunst: Es sind ganz unterschiedliche Begabungen und Leidenschaften, die der junge Pfarrer Ralf Frisch in sich vereint. Als Grenzgänger zwischen den Disziplinen könnte man ihn beschreiben. Denn er will zwischen verschiedenen Welten, Lebens- und Bildungsgeschichten "surfen" und dabei die Menschen, denen er begegnet, immer wieder fähig machen, andere Perspektiven einzunehmen. 

Und das spiegelt sich nun auch in seinem Job wider: Zur einen Hälfte ist er Studienleiter am Evangelischen Bildungswerk (EBW) Bayreuth/Bad Berneck/Pegnitz und zur anderen Hälfte leitet er die Telefonseelsorge in Bayreuth. "Ich bin ein Mensch, der die Vielfalt selbst verkörpert", sagt Frisch und lacht, ehe er ein wenig von seinem beruflichen Werdegang erzählt, der ebenso spannend wie vielfältig ist: Studium und Vikariatszeit, dann der Aufbau des Instituts "persönlichkeit und ethik" zur Beratung von Führungskräften aus Wirtschaft und Gesellschaft und zwei Jahre später noch eine halbe Gemeindepfarrstelle. 

Damit wurde er das, was er heute auch ist: ein "Pfarrer mit geteiltem Dienstauftrag". Sein Amt als Militärdekan und Hochschulseelsorger an der Universität der Bundeswehr München, das er von 2007 bis 2009 ausübte, gab er schließlich notgedrungen auf, weil er merkte, dass Beruf, Beziehung und Freizeit kollidierten. Er orientierte sich wieder nach Franken. 

"Es war schon auch ein Absturz, aber ich ging freiwillig einen Schritt zurück, was das Prestige angeht", erzählt Frisch, "aber meine Beziehung war mir einfach wichtiger." Schon ein Jahr später fällt das Resümee des Pfarrers mehr als positiv aus: "Schöne Arbeit, viele Möglichkeiten, super Team."

So nahm er auch die halbe Stelle als Leiter der Telefonseelsorge, die sich ihm im Frühjahr dieses Jahres bot, gerne an. Frisch schätzt die Begegnung mit Menschen am Telefon, aber auch die Begleitung und Qualifikation der ehrenamtlichen Mitarbeiter. "Ich habe schon an der Bundeswehruni einige Erfahrungen in der Seelsorge gesammelt", sagt der Theologe nachdenklich, "gerade auch in schwierigen und außergewöhnlichen Situationen." 

Als Doppelbelastung sieht er seine Arbeit nicht, auch wenn er allen Grund dazu hätte. Denn Ralf Frisch ist nicht nur ein "geteilter Pfarrer", sondern pendelt sogar zwischen mehreren Orten. In Bayreuth verbringt er berufsbedingt die meiste Zeit, dazwischen aber hält er Vorträge über moderne Kunst und geht weiterhin seiner Lehrtätigkeit an der Bundeswehruni in München sowie an den Universitäten Bayreuth und Erlangen, wo er wohnhaft ist, nach. "Das ist aber nicht nur Stress. Denn wenn ich abends ins Auto steige, weiß ich, ich habe Freizeit", erzählt Frisch, "außerdem kann ich beim Fahren auch Dinge verarbeiten und loslassen." 

Bei alledem ist dem Theologen eines klar: Stellenteiler kann man nur sein, wenn einem bewusst ist, dass man sich mit beiden Jobs nicht jeweils rund um die Uhr beschäftigen kann, aber trotzdem jedem ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt. Den Nachteil der Situation behält der Pfarrer aber trotzdem im Blick: die Tatsache, dass man das, was man eigentlich ganz machen müsste, nur halb machen kann, und dass man auf eine Karriere im klassischen Sinn verzichtet. Im Moment allerdings kann Frisch von seinem Beruf nur schwärmen: "Ich freue mich einfach erst einmal, dass ich die Dinge machen kann, die mir Spaß machen und die ich kann. Außerdem genieße ich es, verschiedene Mosaiksteine zu einem Bild zusammenzufügen." 

So spürt man: Ralf Frisch ist ein Stellenteiler und "Grenzgänger" aus Leidenschaft, ein Theologe, der sich am Leben freut und die "Weltlichkeit der Welt" ernst nimmt.

                                    Sandra Blaß

                                    => Weitere Informationen unter www.sandra-blass.de

 

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