Ehrenamt - Auge in Auge mit dem Tiger

Tigerasyl
Praktikant Dirk Schwantes aus Triesdorf weiß, ohne das Raubtierasyl bei Ansbach, würde Tiger Pamir nicht mehr leben. Foto: Bek-Baier

Ehrenamtliche tragen in Ansbach auf besondere Art zur Bewahrung der Schöpfung bei

Tigergebrüll hallt durch Mittelfranken. Ein kleiner Verein nimmt Raubkatzen auf, die in Not geraten sind. Es sind vor allem Ehrenamtliche, die sich in ihrer Freizeit um die Großkatzen kümmern.

"Es war schon mein Kindheitstraum mit Tieren zu arbeiten", sagt Dirk Schwantes. Der Fachoberschüler aus Triesdorf absolviert zur Zeit den Umweltzweig der FOS. Als der Verein "Raubtier- und Exotenasyl e.V." im nahen Ansbach-Wallersdorf eine Praktikumsstelle anbot, "habe ich die Gelegenheit am Schopf gepackt." Ob er einen Beruf mit Tieren ergreifen wird, ist für den Umweltstudenten noch fraglich. Aber etwas mit Schutz der Umwelt und Bewahrung der Schöpfung sollte es schon sein, sagt der engagierte Praktikant.

Sieben Tiger und vier Pumas haben ihr Asyl in Ansbach gefunden. Meist liefert hier die Polizei Tiere ab, die sie gefunden oder beschlagnahmt hat. So wie Tigermännchen Pamir, vor dessen Gehege Schwantes am Tag der offenen Tür steht und den zahlreichen Besuchern gerne über seinen "Schützling" erzählt. Der sibirische Tiger wurde als junges Tier von der Polizei in einem alten Transporter eingesperrt gefunden. Sie hatte den Tipp bekommen, dass hier ehemalige Zirkustiere illegal verkauft werden sollten. Pamir hatte aus Hunger und Verzweiflung begonnen die Schaumstofffütterung der Autositze zu fressen. "Etwas später, und man hätte ihm nicht mehr helfen können", weiß Schwantes.

Seit 1971 werden in Wallersdorf Tiere aufgenommen. Der neue Verein "Raubtier- und Exotenasyl e.V." hat sich im vergangenen Jahr gegründet und die Anlage übernommen. Tierpfleger Olaf Neuendorf ist 1. Vorsitzender und seit 1990 dabei. Wie sein Arbeitsalltag hier aussieht? "Putzen, putzen, putzen", sagt Neuendorf lächelnd. "Und alles was ein Hausmeister so macht!" Natürlich auch das Füttern der Tiere. Pro Tag bekommen sie 100 Kilogramm Fleisch - aber auch Hühner oder Rehe, die Bauern hier abliefern.

Neuendorf scheint aber dieser anstrengenden Aufgaben nicht überdrüssig zu sein. Man spürt ihm, wie den anderen Mitarbeitern hier die Liebe zu den Raubkatzen ab. Sein größer Lohn? "Wenn man frühmorgens kommt und wird von den Tigern begrüßt!" Großkatzen können zwar nicht schnurren. Aber aus Zuneigung wird Neuendorf meist angeblasen. Wie von Tigerin Rhani, die er einst mit der Flasche großgezogen hat. Die Pfleger sind die einzigen, die den Raubtieren so nahe kommen dürfen. Ansonsten gilt: Sicherheitsabstand einen Meter.

Näher ran darf auch Florian Beer. Er ist ganz ehrenamtlich als Tierpfleger hier tätig. Der Elektrotechniker aus München fährt in seiner Freizeit stets nach Mittelfranken. Die Großkatzen faszinieren ihn durch ihre Eleganz bei gleichzeitiger Bärenstärke. "Wir haben einmal zu acht einen Baumstamm ins Gehege gewuchtet - der Pamir hat den ganz allein umgeschmissen!" Trotz aller Kraft sind die Großkatzen auch sehr anlehnungsbedürftig. Beer findet es ein "unbeschreibliches Gefühl, das Fell eines Tigers berühren zu dürfen." "Bei einem sibirischen Tiger verschwindet die Hand ganz unter den langen Haaren", berichtete er mit leuchtenden Augen.

Allerdings zeigen das die Pfleger nie öffentlich. Besucher sollen keinen falschen Eindruck von den Tieren bekommen und sich ihren Respekt bewahren. Neben der Rettung der Tiger soll das Projekt in Ansbach Verständnis für den Tierschutz bei der Bevölkerung wecken. Nur durch Patenschaften und Spenden wird das Raubtierasyl unterhalten. Kinder können schon mit einem Euro Pate werden. "So werden Kinder konkret an den Tierschutz herangeführt."

Neben der Faszination gibt es aber noch einen Grund warum Florian Beer ganzen Einsatz in das Asyl steckt: "Ich kann mich aktiv für den Schutz der Tiere hier in meinem Land einsetzen und sehe direkt den Nutzen meines Engagements."

Martin Bek-Baier

"Raubtier- und Exotenasyl e.V.", Ansbach- Wallersdorf, Telefon: 0170/4151972, www.raubkatzenasyl.de. Jeden ersten Sonntag im Monat ist "Tag der offenen Tür". Der nächste Termin ist der 4. April 2010.