Kopf hoch

Brücke
Foto: Bek-Baier

Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass der Sommer schon nahe ist. So auch ihr: Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.  

                      aus Lukas 21, 25–33

"Was wird uns noch alles blühen?“, überlegen Menschen zu allen Zeiten. Oft wurde und wird diese Frage mit mehr Sorge als mit Zuversicht gestellt. Sorgen aber drücken nieder, sie geben das Gefühl erschöpft und ausgelaugt zu sein.Das gilt auch für die Stimmung, die ich derzeit bei vielen Menschen beobachte. Mehr und mehr nehmen wir wahr, wie wir selbst mit unserem Verhalten in Entwicklungen verstrickt sind. Wir sehen, dass wir selbst mit unserem Leben die Lebensgrundlage unserer Welt bedrohen.

Wie sprechen diese Worte in unsere Zeit? Himmel und Erde erschütternde Katastrophen und sogar das Ende der Welt wird ausgemalt. Ja, Jesus verharmlost nicht, wie bedrohlich das Leben sein kann. Aber vollmächtig und gewiss setzt er allen düsteren Visionen sein ermutigendes Wort entgegen.

„Für euch blüht das Leben“, sagt Jesus mit dem Gleichnis vom Feigenbaum. Mitten im Winter, mitten in den Schatten, die unsere Sorgen werfen, treibt die Hoffnung Blüten. Das Leben blüht, wo die Zuversicht Raum hat. Wer niedergedrückt den Blick allein auf den steinigen Weg richtet, der wird diese bunten Blumen leicht übersehen.

Gut, dass jetzt Advent ist. Im Advent besinnen wir uns neu darauf, dass diese Welt kein von Gott verlassener Ort ist. Wir leben darauf hin, dass Gott selbst in unsere Welt kommt. Adventlich leben heißt, sich auf die Hoffnung zu besinnen, die uns geschenkt ist. Gott ist es nicht gleichgültig, was mit uns passiert. Gott kommt uns als Rettender entgegen.

„Richtet euch auf“, sagt Jesus, „Kopf hoch.“ Wer aufschaut, bekommt eine neue Perspektive. Wer sich aufrichtet, gibt Gottes schöpferischem Atem Raum, mit neuer Kraft einzuströmen. Wir werden losgelöst aus den zerstörerischen Strukturen, in die wir verstrickt sind.

Wenn wir darauf vertrauen, dass am Ende Gottes großes Fest des Lebens steht, leben wir schon jetzt anders. Die hoffnungsvolle Perspektive öffnet uns für heilvolle Veränderung in uns und in den Menschen, mit denen wir unterwegs sind. Dann blühen schon auf dem Weg zum großen Fest bunte Blüten. Wir nehmen wahr, wie viel Güte in unserem Leben ist und wie viel Gutes möglich ist. So leben wir heute und jeden Tag adventlich hin auf Gottes Kommen, bis er kommt in Herrlichkeit.

                   Dekanin Ursula Brecht, Dekanat Neustadt an der Aisch

Gebet:

Guter Gott, im Advent warten wir auf dich, mehr als sonst. Schenke uns Zeichen deiner rettenden Gegenwart. Richte uns auf und stärke uns mit deinem lebendigen Geist. Amen

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