Editorial: Orte des Gedenkens

Martin Bek-Baier
Martin Bek-Baier

Man weiß, Trauer kann ein Mensch besser bewältigen, wenn er sich von einem Sterbenden verabschieden konnte. Aber das ist Angehörigen nicht vergönnt gewesen, deren Liebster im Krieg an irgendeiner Front dieser Welt fiel. Ein Grab, als Ort der Trauer und des Gedenkens, ist für die meisten Menschen ebenso wichtig. Da hilft es schon ein wenig, wenn man benachrichtigt wurde, auf welchem Soldatenfriedhof ein Gefallener bestattet wurde.

Manche Hinterbliebende machten sich lange nach dem Krieg auf den Weg zu der betreffenden Kriegsgräberstätte. Wer das nicht konnte, begnügte sich mit einem Foto der letzten Ruhestätte.

Doch es gibt auch Fälle, denen das nicht vergönnt war. Wir berichten von so einer Geschichte, die Grund zum Nachdenken liefert. Bei einer Pressereise Ende September nach Korsika, traf ich die Enkelin eines solchen Gefallenen, dessen Grab der Familie bis heute unbekannt ist. Noch immer treibt der Gedanke die Witwe um, wo ihr Mann begraben sein könnte. Ein Foto der Grabstelle würde ihr schon helfen.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. nimmt sich solcher Fälle an. Er hilft bei der Suche  nach Bestattungsorten von Gefallenen der beiden Weltkriege bis heute.

Was viele nicht wissen: Es gäbe ohne Kriegsgräberfürsorge keine gepflegten Kriegsgräber, keine Suche nach verschollenen Ruhestätten und auch keine Friedens- und Versöhnungsarbeit in dem Maße wie sie der Volksbund leistet. In anderen Ländern übernimmt es der Staat. Bei uns ist es der Volksbund. Auch in diesem Jahr konnte ich in Frankreich auf Korsika wieder Zeuge von der nachhaltigen Friedensarbeit des gemeinnützigen Vereins werden, der sich zu achtzig Prozent aus Spenden finanziert.

Nächsten Freitag beginnen die Haus- und Straßensammlungen und werden bis fast zum Volkstrauertag durchgeführt. Die vorwiegend ehrenamtlichen Sammlerinnen und Sammler wissen: Spenden sind auch im 100. Jahr nach der Gründung des Volksbundes sinnvoll – wie es mir die Erfahrungen der Reise nach Korsika und die Begegnungen dort zeigten.

Auch wenn sich der Beginn des Zweiten Weltkriegs schon zum 80. Mal jährt, leiden immer noch Menschen unter den Verlusten des sinnlosen Sterbens und konnten mit der Trauer um liebe Angehörige noch nicht abschließen. 

                               Martin Bek-Baier, Chefredakteur