„Eine runde Sache“

Beate Wurziger-Keltsch und Barbara Twisselmann
Beate Wurziger-Keltsch und Barbara Twisselmann. Foto: Borée

Zehn Jahre Wochenende für Alleinerziehende und ihre Kinder

Es sind keine Rehe, nein es sind Lamas. Auf einer Holzscheibe hält das Mädchen die Erinnerung an ein vergangenes Jahr fest (Bild oben rechts). Damals stand ein Spaziergang mit diesen zahmen kamelartigen Wesen an. Viele Erinnerungen sind mit dabei – schließlich ist es schon die zehnte Auflage des Wochenendes für Alleinerziehende mit ihren Kindern im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum (EZB) Bad Alexandersbad. Viele kommen immer wieder, manche sind seit Anfang an dabei, andere das erste Mal.

Das Wochenende leiten seit zehn Jahren Beate Wurziger-Keltsch als Geschäftsführerin und pädagogische Leiterin des Evangelischen Bildungswerkes Selb sowie Barbara Twisselmann vom EZB Bad Alexandersbad (Bild links). Am Anfang war die Finanzierung schwierig. Denn viele alleinerziehende Frauen – Väter sind leider keine gekommen – kämpfen auch mit einer schwierigen Haushaltssituation, so dass sie kaum den vollen Tagungspreis zahlen können. Da ist Unterstützung wichtig, etwa durch das Diakonische Werk Selb/Wunsiedel.

„Am Anfang hörten wir oft: Meine Mutter hat auch nach dem Krieg drei Kinder allein groß gezogen“, so Beate Wurziger-Keltsch. Aber spricht das dagegen, aktuell Mütter und ihre Kinder zu unterstützen? „Gerade die Kinder werden hier geprägt“, fügt Barbara Twisselmann hinzu. Sie verbinden dann evangelisches Leben mit dem Bildungszentrum, mit der Schnitzeljagd durch den Wald im Fichtelgebirge. Alle Altersstufen von etwa vier Jahren bis zu Teenagern sind vertreten. Die Kinder passen auch aufeinander auf, wenn die Mütter sich zu Gesprächen treffen. Und zum Jubiläum klingt das Wochenende mit einem Festgottesdienst aus. Nun ist es „eine runde Sache“ – nicht nur als Jubiläum.

Eine Herausforderung sind die unterschiedlichen Altersstufen sicher – gerade beim gemeinsamen Basteln. Das Jugendkunst-Mobil des Landeskreises Wunsiedel kommt gleich am Samstagvormittag. Dieser Kleinbus ist reich mit Materialien. Er bietet in Schulen oder Kindergärten, aber auch an vielen öffentlichen Orten für (zunächst) drei Jahre kulturpädagogische Einheiten an und setzt sie um. Ins Evangelische Bildungszentrum kommt Bildhauerin und Kunsttherapeutin Annette Hähnlein mit Baumscheiben und Acrylfarben. Nun planen die Kinder, wie sie die Hölzer gestalten wollen. Dann müssen sie zunächst einmal in die vorgesehenen Größen gesägt werden, bevor sie bemalt werden können. Von einfarbigen Hintergründen bis hin zu den fein gezeichneten Lamas setzen sie je nach ihren Fertigkeiten ganz unterschiedliche Ideen um.

Während die Kunstwerke trocknen, nutzen die Kinder eine Regenpause, um Seifenblasen aus zuvor selbstgemachter Lauge über die Wiese segeln zu lassen. Pfeifenputzer als Blasringe lassen ganze Girlanden an Seifenblasen entstehen.
Leider ist die Turnhalle in diesem Jahr noch eine einzige Baustelle. Die Renovierungsarbeiten des Bildungszentrums sollen bis zum 6. Oktober beendet sein.

Sie beinhalten in dieser Bauphase gerade eine energetische Sanierung, aber auch intensive Erneuerungen zum Brandschutz. „Was möglich ist, verwenden wir aber weiter“, so EZB-Leiter Andreas Beneker. Etwa Heizungskörper, die noch den Anforderungen entsprechen. Die Bayerische Landeskirche, aber auch etwa die Oberfrankenstiftung helfen finanziell. Währenddessen läuft aber der reguläre Tagungsbetrieb weiter.

Nun treffen sich die Mütter zu einem Spaziergang. Auch „Neue“ werden dazu schnell angesprochen. Intensive Gespräche stehen bei ihnen im Mittelpunkt. Psychologin Carmen Lamprecht von dem ökumenischen Projekt „WiEge“ (Wie Erziehung gelingt), gibt spannende Impulse.

Nächstes Jahr ist das Treffen bereits schon am ersten Juli-Wochenende geplant. Ein Elfjähriger, der diesmal das erste Mal dabei war, wiederholt immer wieder: „Mama, da müssen wir nächstes Jahr unbedingt wieder hin.“

Mehr Infos online unter www.ebz-alexandersbad.de

 

                     Susanne Borée

 

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