Milch und Steine

Brücke
Foto: Bek-Baier

Seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, auf dass ihr durch sie wachset zum Heil, da ihr schon geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist. Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar. Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus. Darum steht in der Schrift: „Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.

aus 1. Petrus 2, 2–10

Unser Bibelabschnitt beginnt mit dem zweiten Vers. Dabei wäre der weggelassene erste Vers wichtig für das Verständnis der „vernünftigen lauteren Milch“ aus Vers 2. Milch, vor allem Muttermilch ist das Grundnahrungsmittel schlechthin. Es ist überhaupt das erste, was wir Menschen zu uns nehmen. Sie ist gesund und nahrhaft und enthält alles, was es für einen guten Start ins Leben braucht.

Bosheit, Betrug und Heuchelei, Neid und üble Nachrede sind weder gesund noch dienen sie dem guten Leben. Wir sollen, wir müssen sie darum ablegen, um wachsen zu können zum Heil in Jesus Christus. Im Zeitalter von Fake News und Hassorgien im Netz und in der realen Welt bekommen Vernunft und Lauterkeit einen neuen, unverzichtbaren Stellenwert. Ohne sie, ohne die vernünftige lautere Milch werden wir krank und schwach und schließlich irgendwann jämmerlich zugrunde gehen – als einzelne und als Gesellschaft. Besonders Christen trinken also gerne und „begierig“ von der Milch der Vernunft und Lauterkeit wie die Neugeborenen die Muttermilch, weil wir wissen, dass wir nur so stark und kräftig werden und immun sein können gegen alle Bosheit und den Hass.

Und dann können wir auch zu lebendigen Steinen werden, zu Steinen am Haus, das gebaut wird von Gott selbst mit dem Mörtel aus Liebe und Wahrheit und Frieden, dessen erster Stein Christus, unser Herr, ist, der „Eckstein“, der zwar von denen verworfen wird, die sich von der Macht des Negativen und Destruktiven haben verführen lassen, der aber wiederum aufgehoben wird von denen, die das Gute suchen, das Konstruktive, die nicht einreißen, sondern aufbauen wollen, die nicht kaputt und fertig machen wollen, sondern die danach streben, dass das Haus tatsächlich bezugsfertig wird und ein Schmuckstück, in dem es sich wunderbar leben lässt, in dem wir miteinander wohnen als geistliche Hausgemeinschaft und jede und jeder daheim sein darf.

Da sind dann auch keine mehr, die voller Wut schreien „Wir sind das Volk!“ und schließen andere aus. Da sind dann die, die wirklich „Volk“ sind, nämlich „ein heiliges Volk“, zu dem jeder gehört, der glaubt und vertraut, dass Gott Gnade ist und Barmherzigkeit und Versöhnung, der weiß, dass Gottes Kinder offen im Licht stehen und nicht in der Finsternis des Darknet, der davon überzeugt ist, dass Herz und Verstand, Vernunft und Anstand obsiegen werden über Angst und Misstrauen, Hass und Lüge.

                  Dekan Uwe Rasp, Uffenheim

Gebet:

err, öffne mich für dein Wort. Gerne will ich es hören und danach leben. Amen.

Lied 428:

Komm in unsre stolze Welt