„Miteinander von Menschen“ vernetzen

Thomas Prieto Peral
Thomas Prieto Peral. Foto: Borée

„PuK“-Debatte der Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit und Internet in der Landeskirche

Nachdem die Lindauer Synode sich grundsätzlich für die Fortführung des PuK-Prozesses ausgesprochen hat, geht es nun in die konkrete Planung vor Ort. Dies berichtete Thomas Prieto Peral bei dem Nürnberger Treffen der Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit und Internet in der ELKB. Dort standen der  „Prozess Profil und Konzentration (PuK)“ sowie die neue Digitalstrategie der bayerischen Landeskirche im Mittelpunkt. Im vergangenen Jahr hatten die Beauftragten ihre Vorstellungen zur künftigen Arbeit zusammengetragen, um sie in den Prozess einzuspeisen.

Er selbst habe mehr als hundert entsprechende Veranstaltungen „in der Fläche“ abgehalten, so Prieto Peral. Dekanate und besonders Ortsgemeinden sind aufgerufen, die Möglichkeiten und Auswirkungen des Prozesses vor Ort intensiv zu diskutieren. Entsprechende Vorschläge wird der Landeskirchenrat prüfen. Sie gehen dann zur „Wiedervorlage an die Herbstsynode“.

Welche Zukunftsvision?

Als „Zukunftsvision“ soll das  „Miteinander von Menschen mit unterschiedlichen Glaubenswegen, Fähigkeiten und Begabungen, Kirche und Diakonie, Konfessionen, verschiedenen Religionen, Konfessionen, zur Zivilgesellschaft“ mit Leben gefüllt sein. Diese Zusammenarbeit sei leider öfter nicht selbstverständlich. Prieto Peral sieht gerade unter der Berufsgruppe der Pfarrer am meisten Verlustängste. Aber er appellierte auch intensiv an eine „neue Verständigungskultur“.

Die Öffentlichkeitsarbeit vor Ort könne auf ihren vielfältigen Informationswegen diese Prozesse begleiten. Es bestehe gerade weiterer Bedarf an digitaler Kommunikation, „so dass jeder geistliche Angebote und Ansprechpartner findet“ – natürlich unter strenger Beachtung der Vorgaben des Datenschutzes. Weiter forderte der Kirchenrat „erfolgreiche Angebote und Services im Digitalen“, die ortsunabhängig, aber auf Interaktion ausgerichtet sein können. Jeder Interessierte mit normalen Online-Einblicken, aber ohne tiefere Kenntnis der kirchlichen Strukturen solle dazu Zugang haben können.

Prieto Peral berichtete davon, öfter von Menschen ohne weiteren Zugang zu Gemeinden um Kasualien gebeten worden zu sein. Als weitere Maßnahmen schlägt er Kirchenapps, Chatrooms oder Serviceportale vor. „Erprobungsräume in Dekanatsbezirken oder Ortsgemeinden“ sollen bereits in naher Zukunft die Möglichkeiten der „Angebote vor Ort“ ausloten.

Daneben gäbe es jede Menge offener Themen: etwa die Verhältnisbestimmung von „inhaltlicher Diskussionen und organisatorischen Maßnahmen, oder zwischen dem verbindenden Kirchenverständnis und der Spezialisierung oder der gesamtkirchlichen Strategie und der Eigenverantwortlichkeit vor Ort. Der Kirchenrat gab zu, dass es nicht ganz leicht für die Münchner Zentrale sei, die Kirchenentwicklung zu dezentralisieren. Ebenfalls gehöre es zu den schmerzhaften Diskussionen zu entscheiden, welche Aufgaben  Kirche in Zukunft lassen soll.

Das bot natürlich entsprechenden Stoff für die anschließende engagierte Diskussionsrunde. Öffentlichkeitsbeauftragte baten wiederholt um eine Entscheidung, „wie viele Stellen für was“ zu nutzen seien. Auch die Verhältnisbestimmung „Gemeinden und den Ebenen darüber“ solle möglichst bald konkret bestimmt sein: „Wer gibt wo die Richtung vor?“ Andere Wortmeldungen baten auch um bessere „Erkennbarkeit, dass München sich bewegt“.

Neue Digitalstrategie

In Aufnahme von Anregungen aus dem PuK-Prozess hat der Landeskirchenrat im Mai eine Digitalstrategie beschlossen. Wesentliches Element ist die Etablierung eines agilen Projektkreislaufes. Thomas Zeilinger, landeskirchlicher Beauftragter für Ethik im Dialog mit Technologie und Naturwissenschaft, stellt die Eckpunkte der Strategie und die Möglichkeiten, mit ihr zu arbeiten, vor.

Dazu existiert nun eine neue Webseite der bayerischen Landeskirche. Unter der Adresse www.elkb-digital.de wird die Digitalstrategie der Landeskirche vorgestellt. Damit will Thomas Zeilinger die kirchliche Digitalisierung vorantreiben um „agiles Arbeiten“ zu ermöglichen.

Die Landeskirche möchte künftig vermehrt Projekte im Bereich der Digitalisierung fördern. Zum Start stehen in diesem Jahr 750.000 Euro zur Verfügung. In den nächsten drei Jahren sind bis zu drei Millionen Euro abrufbar. Auf der Webseite können nun Projektanträge für den Bereich Digitales für Einzelförderungen bis zu 100.000 Euro gestellt werden. Über die Anträge soll normalerweise innerhalb einer Frist von vier Wochen entschieden werden, so Zeilinger. Anträge könnten nicht nur von Gemeinden, Einrichtungen und Diensten, sondern auch von Agenturen oder anderen Akteuren im digitalen Bereich eingereicht werden.

Eine Projektlandschaft listet die bereits genehmigten Projekte auf. Dazu gehören ein Multimedia-Kirchenführer, das Dokumentmanagement-System der Landeskirche sowie das Projekt „Gedenkenswert“ der Abteilung Vernetzte Kirche im Evangelischen Presseverband für Bayern e.V. Diese Übersicht soll kontinuierlich ergänzt werden, erklärte Zeilinger.

Mehrere Öffentlichkeitsarbeiter merkten in der anschließenden Diskussion an, die Infrastruktur zu stärken, dass keine „Phishing-Pannen“ mehr passieren oder keine doppelte Dateneingabe bei Verwaltungsaufgaben mehr nötig sei. Auch die Urlaubsanträge von Pfarrern könnten digital in vereinfachter Form zu stellen sein. Dies hielten die Redner erst einmal für notwendig, bevor Geld und Zeit in neuartige Projekte fließe.

Weitere Initiativen

Daniel Wagner, Pressesprecher vom Diakonischen Werk Bayern, informierte den Kreis über das Jahresthema der Diakonie. Auch gab es Informationen zur diesjährigen Buß- und Bettags-Initiative, die inzwischen an die Verteiler vor Ort gingen.

Tilman Kleinjung von der BR-Redaktion Religion und Orientierung wünscht sich mehr Informationen über kirchliche Aktivitäten aus den Regionen unserer Kirche. Wie er sich das konkret vorstellt und was Sie möglicherweise tun können, damit die Berichterstattung über kirchliche Themen im BR noch bunter wird, darüber sprach er mit dem Kreis der Öffentlichkeitsbeauftragten.

Und die „Vernetzte Kirche“ stellte  die Entwicklungen der Musterwebsites und des Veranstaltungskalenders sowie die geplanten Erweiterungen vor. Die Intranet-Abteilung von KIV berichtete über die aktuellen Möglichkeiten der internen Kommunikation.

                     Susanne Borée/PR

 

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