Gottes Wort ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes.
Aus Hebräer 4, 12-13
Christoph Probst war 23 Jahre alt, als er sterben musste. Der Vater von drei kleinen Kindern hatte Flugblätter gegen den Terror Hitlers verfasst. Wenige Augenblicke vor seiner Hinrichtung durfte er seine mitverurteilen Freunde kurz noch einmal sehen. "Ich wusste nicht, dass Sterben so leicht sein kann", sagte Christoph Probst in dieser Minute.
Der Bericht der Aufseher im Gefängnis München-Stadelheim ist erschütternd. Ich bin überzeugt: Mit solchem Glauben und Selbstbewusstsein kann im Angesicht des Todes nur der so sprechen, der hellhörig war für Gottes Stimme: "Ich bin bei dir. Ich sehe dich und kenne dich, wie du bist. Du bist mein Kind."
Gott kennt mich. Dieser Satz ist in seinem Sinngehalt im Hebräerbrief enthalten: "Es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes." Gott ist da in meinem Leben. Aber da rührt sich auch schon das schlechte Gewissen. Gott weiß nicht nur um meine Stärken, sondern auch um die düsteren Winkel in meinem Herzen. Um die Härte in meinem Handeln manchmal. Um meine Ungeduld und mangelnde Demut. "Kein Geschöpf ist vor ihm verborgen." Auch ich bin es nicht.
"Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert." Gewaltig hört sich das an, gewaltig ist es auch. Gottes Wort ist eine immerwährende Liebeserklärung: "Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst; du bist mein." (Jesaja 43,1b) Gottes Auge ruht liebevoll auf mir. Er ist barmherzig. Vergebung und Friede will er mir bringen.
Gott ist ein "Richter der Gedanken und Sinne des Herzens." Aber seine Maßstäbe sind göttlich. "Bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes ?" - das muss uns nicht erschrecken. Sein Blick ist wohlwollend, kein menschliches Urteil kann mich von Gottes Liebe trennen! Das gibt mir Gelassenheit, vielleicht sogar im Angesicht des Todes.
Christoph Probst durfte einen Augenblick lang auf einem grauen Gefängnisflur stehen bleiben und mit seinen Freunden eine letzte Zigarette rauchen. Gottes Wort gab ihm Mut. "Ich wusste nicht, dass Sterben so leicht ist!", sagte er zu Hans und Sophie Scholl. Und: "In ein paar Minuten sehen wir uns wieder in der Ewigkeit!" - Christoph Probsts' feste Antwort auf Gottes Wort, bevor er durch das Fallbeil starb. "Gottes Wort ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert!"
Pfarrer Sebastian Stahl,
Traunstein
Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht; es hat Hoffnung und Zukunft gebracht; es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten, ist wie ein Stern in der Dunkelheit. Amen
Herr, für dein Wort sei hoch gepreist