Editorial: Wie politisch ist Religion?

Martin Bek-Baier
Martin Bek-Baier

Da es sich bei Europa um ein Friedensprojekt handele, sollten Pfarrerinnen und Pfarrer zur Teilnahme an der Wahl vom 26. Mai aufrufen. Das steht nun nicht in der Dienstordnung der bayerischen Landeskirche, aber Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands ist, vertritt diese Meinung.

Ich kann mir denken, dass bei manchem Leser nun der Einwand kommt, Politik habe nichts in der Kirche verloren. Bedford-Strohm verteidigte aber die politische Dimension von Predigten  bei einem Vortrag in Bayreuth. Die Frage, wie die Not der Menschen politisch überwunden werden könne, „das darf nicht nur, das muss auch in den Gottesdiensten vorkommen“, sagte der Landesbischof. Dies gelte auch unabhängig von der Europawahl. Als Beispiel nannte Bedford-Strohm die faktische Einstellung der EU-Mission „Sophia“ im Mittelmeer: „Wenn Menschen ertrinken, weil die Seenotrettung abgeschafft wird, dann ist das auch ein Predigtthema!“

Die Predigten sollten dabei nie parteipolitisch sein und auch nicht die persönliche Meinung des Pfarrers zur Tagespolitik ausdrücken, sagte der Bischof. „Aber sie sollen die Grundorientierungen des christlichen Glaubens auch in politischen Dingen zum Ausdruck bringen.“ Auch wenn wir in dieser Sonntagsblatt-Ausgabe besonders auf die Einstellung der CSU zu Europa blicken, geben wir keine parteipolitischen Ratschläge.  
Bei den Europawahlen geht es aber um viel. Etwa darum, ob in das Parlament in Straßburg die ausgewiesenen Europagegner eine Mehrheit bekommen. Davon gibt es von Rechts eine wachsende Tendenz. Vor allem geht es bei der Europapolitik darum, wie wir miteinander leben. Deutschland hat schon oft in der Geschichte einen gewichtigen Platz im Gleichgewicht Europas eingenommen.

Allzuoft einen negativen: Immer dann, wenn es meinte für sich allein zu stehen und andere als Gegner, statt als Nachbarn zu sehen. Vor 80 Jahren ging von Deutschland der verheerendste Krieg aus, den die Welt je gesehen hatte. Danach verschrieb sich unser Land mehr und mehr dem Frieden. Spätestens seit dem Fall der Mauer vor 30 Jahren nehmen wir eine wichtige  und zusammenhaltsfördernde Rolle in Europa ein. Dabei gilt: Wir dürfen uns selbst nicht zu wichtig nehmen und sollten Rücksicht auf unsere Nachbarn einüben.Martin Bek-Baier, Chefredakteur

                                 Martin Bek-Baier

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