Neues Leben im alten Ortskern

Alexander Caesar und Heinrich Förster.
Pfarrer Alexander Caesar (links) und der Illesheimer Bürgermeister Heinrich Förster. Foto: Borée

Illesheim engagiert sich im kirchlichen PuK-Prozess und plant ein Mehrgenerationenhaus

Jeden Werktag sind sie erreichbar: Die drei Koordinatoren der Nachbarschaftshilfe Illesheim sowie eine Ehrenamtsmanagerin fügen Bedürfnisse, Angebote und Hilfeleistungen zusammen. Sie bietet einen Fahr- und Begleitdienst oder auch kleinere Alltagshilfen an. Kreative Bildungsangebote ergänzen dies Engagement. Schon jetzt bieten die Aktiven der Nachbarschaftshilfe monatlich einen gemeinsamen Mittagstisch mit Fahrdienst an. Auch Melanie und Alexander Caesar engagieren sich dabei. Sie teilen sich zusammen eine Pfarrstelle in dem Ort im Quellgebiet der Aisch. Selbst bei der Eu­ropawahl will der Fahrdienst aktiv sein: Es ist geplant, nur ein Wahlbüro anzubieten. Niemand soll sagen können, dass für ihn der Weg zu schwierig gewesen sei.

So hat der Albtraum, ohne Auto das Leben auf dem Land zu beschließen, hier seinen Schrecken verloren. Dabei hat Illesheim noch mit rund 500 Einwohnern einen eigenen Bahnanschluss. Tagsüber führt die Fahrt stündlich in nur fünf Minuten nach Bad Windsheim. In einer halben Stunde per Bahn ist Neustadt an der Aisch erreicht. Doch schon für Menschen aus Urfersheim, Sontheim oder Westheim, die noch einmal die gleiche Anzahl Einwohner haben und zu derselben Kommune gehören, ist der Weg zum Bahnhof nicht um die Ecke.

Die US-Kaserne schafft in vielerlei Hinsicht finanziellen Spielraum, doch auch hier gab es Truppenreduzierungen. Es gibt in Illesheim noch eine Bäckerei, deren Inhaber allerdings betagt sind und über das Aufhören nachdenken, so der ehrenamtliche Bürgermeister Heinrich Förster. Keine Supermärkte. Keine Ärzte vor Ort. Die Gasthöfe seien nur sporadisch offen.

Alexander Caesar wird in der Arbeit vor Ort durch Projektmittel aus dem PuK-Prozess unterstützt. Er versteht Kirche im öffentlichen Auftrag nach Dietrich Bonhoeffer als „Kirche für die Menschen“. Die aktuellen Herausforderungen, wie knapper werdende Finanzen und Personal erfordern ein Umdenken. Heinrich Förster pflichtet ihm bei: „Die Kirche hat lange geschlafen, nun versucht sie das Ruder herumzureißen.“

Dazu hat das Pfarrersehepaar ­eine Sekretärin zur Verfügung, die es  mit einer ganzen Stelle von Verwaltungsaufgaben entlaste. So haben sie Spielraum, übergemeindliches Engagement, die Nachbarschaftshilfe und eine intensive Kindergottesdienstarbeit zu stemmen.

Alle unter einem Dach

Ferner gibt es große Pläne: Ein Mehrgenerationenhaus soll im Zent­rum Illesheims entstehen. Denn dort hat die Kommune ein Grundstück übernehmen können. Damit dockt sie an das Modellprogramm „Marktplatz der Generationen“ an. Mit diesem Projekt unterstützt das bayerische Sozialministerium ländliche Gemeinden dabei, „den He­rausforderungen einer alternden Gesellschaft aktiv und gestaltend zu begegnen“. Es gibt eine Zusage, den Bau des Mehrgenerationenhauses finanziell zu unterstützen.

Das Haus soll Begegnungsräume schaffen, wo sonst kein „passen-
der“ Raum vorhanden ist. Das bestehende Gemeindehaus im Kernort Illesheim ist nicht barrierefrei. Flexibel nutzbare Gemeinderäume für die Landjugend und verschiedene Vereine sind auch nicht vergessen. Zwei Wochen vor Ostern machten sich 15 Menschen aus Illesheim und seinen Ortsteilen auf zu einer Besichtigungstour. Museen oder Kirchen interessierten sie nicht – sie schauten sich andere Mehrgenerationenhäuser im Umkreis an. „Vertreter aus allen Ortsteilen waren gekommen“, so Pfarrer Caesar stolz.

Keine Selbstverständlichkeit. Bürgermeister Förster ergänzt: „Vor knapp 30 Jahren bauten wir eine Gemeindehalle – in Westheim“, dem zweitgrößten Ortsteil. Denn dort war schon damals abzusehen, dass es bald keine Versammlungsorte mehr geben würde, während in Illesheim noch funktionierende Gasthöfe existierten. Vertreter Nicht-Westheimer Vereine hätten daraufhin ausdrücklich geäußert: Dann nutzen wir die Halle nicht.

„Doch jetzt ist Kairos“, ein günstiger Augenblick, in dem sehr viele an einem Strang ziehen. Da ist sich Pfarrer Caesar sicher. Das Mehrgenerationenhaus in Langenfeld, gut 20 Kilometer nordöstlich gelegen und mit vielfältigen kommunalen Angeboten, ist ein Vorbild.

Inzwischen haben 25 Beteiligte aus allen Generationen gemeinsam überlegt, wie das Haus beschaffen sein muss, um alle Wünschen zu erfüllen. „Herausgekommen ist ein Gebäude im Wert von acht bis neun Millionen“, so Bürgermeister Förster. Das ist natürlich nicht realisierbar. Gerade wird geplant, was das Haus mindestens enthalten soll.

Die Konzeptionen sollen noch in seiner Amtszeit in die Wege geleitet sein. Denn Bürgermeister Förster will sich im kommenden Jahr nicht mehr zur Verfügung stellen. Nun seien die Enkel für ihn dran. Trotzdem denkt er weiter: „Die Umgestaltung des Grundstückes unter Einbeziehung der angrenzenden Straßen und des Dorfplatzes mit einem kleinen parkähnlichen Platz in Ortsmitte, auf dem sich Menschen aller Altersgruppen treffen könnten, wäre ein schöner offener Ort der Begegnung.“

Und dabei bremse er doch den jüngeren Pfarrer, der deutlich „ungeduldiger“ sei. Der Bürgermeister selbst habe in seinen vier Amtszeiten im Umgang mit Behörden und Bürokratie das Warten gelernt.

„Wir haben natürlich unterschiedliche Denkstrukturen und unterschiedliche Sprachen“, gibt auch Alexander Caesar zu. Und nicht immer alle engagierten Einwohner könnten in allen Gremien vertreten sein. Das Mehrgenerationenhaus ist ein kommunales Projekt, die Nachbarschaftshilfe kirchengemeindlich und das Quartiersmanagement in Trägerschaft des Diakonischen Vereins. Kirchlich gesehen betreut er zusammen mit seiner Frau Melanie die Pfarrei aus vier eigenständigen Kirchengemeinden. Der Ortsteil Schwebheim gehört kommunal zu Burgbernheim.

Er träumt davon, die Illesheimer Gemeinden zu vereinen. Dann wären Kirche und Kommune rechtlich gleiche Partner. Die vier Kirchengebäude haben dabei ihren je eigenen Charakter, so dass sie unterschiedliche Schwerpunkte für Jugendliche, kulturell oder besinnlich Interessierte bedienen könnten.

Pfarrer Caesar denkt auch an die Zukunft, an die Jugendlichen. Direkt nach der Konfirmation gibt es eine Ausbildung für sie zur Mitarbeit im Projekt, für Kirche, Vereine oder Kommune. Der erste Jahrgang mit fünf Engagierten schließt bereits im Juni ab. Am 29. Juni kommt Regionalbischöfin Gisela Bornowski zur 800-Jahr-Feier der Kirche nach West­heim – und zur Einsegnung sowie Zertifizierung der Jugendlichen.

                     Susanne Borée