Licht in der Finsternis

Brücke
Foto: Bek-Baier

Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er hat nicht geglaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

                     Aus Johannes 3, 14–21

Nacht legt sich über die Welt wie ein weiches Tuch. Alles wird still, nichts stört mehr die Konzentration. Die Gedanken und Sinne sind geschärft, jeder Laut trägt weiter als am Tag. Auch um Jesus ist es ruhig geworden in dieser Nacht. Einer sitzt noch da: Der Pharisäer Nikodemus. Nun reden sie miteinander. Leise. Konzentriert. Mit großem Ernst. Nachtgespräche eben, wie sie bei Tag nicht möglich wären. Das Wesentliche kommt zum Vorschein. Es geht um alles, ums Leben, um Gut und Böse, um die Hoffnung auf Vergebung, darum, wer Jesus ei­­gent­lich ist: „Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen“: Erstaunliche Worte aus dem Mund eines Pharisäers, gesprochen kurz vor unserem Predigttext. Und doch verwirrt ihn, was Jesus antwortet, hier, im Schutz der Nacht. Nachtgedanken sind es, die die beiden hier austauschen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch Jesus von Licht und Dunkelheit redet.

Von dem Licht, vom Schönen, vom Guten, das Gott an den Anfang der Schöpfung stellte – und vom Dunkel, vom Hässlichen, vom Bösen, das wir Menschen so oft daraus machen. Denn das Dunkel, die Nacht: Sie ist eben nicht nur ein Schutzrahmen für ein gutes, ernstes Gespräch. Sie ist auch das Symbol für alles, was eben besser nicht ans Licht kommen soll. Für mein Versagen. Für meinen Egoismus, meine Faulheit. Für all die „großen“ Dinge, in die ich verstrickt bin, ob ich es will oder nicht: Die Ungerechtigkeit unserer Weltwirtschaft, die die einen verhungern lässt und die uns ein gutes Leben ermöglicht. Meinen eigenen Beitrag zum Klimawandel. Meinen Streit, meine Nachlässigkeit.

Doch bei Gott, sagt Jesus, gibt es keine Nacht: Durch ihn, durch Jesus ist das Licht in die Welt gekommen. Das strahlende Licht der Sonne, das die Dunkelheit vertreibt und mich klar erkennen lässt, wo ich gut gehandelt habe und wo nicht. Unangenehm ist das, auch für mich. Unangenehm für alle, die etwas verbergen wollen. Unangenehm für alle, die wissen: Was ich tue, das tue ich besser im Schutz der Nacht, denn meine Werke sind böse. Da muss Gott gar nicht mehr richten – das tun wir schon selbst. Wir wissen ja, was gut ist und was nicht. Und Gott: Er will nicht richten. Er will nur lieben. Er will nicht richten über uns – er will uns retten. Und es braucht von unserer Seite nicht viel zu unserer Rettung. Wenn wir zu Jesus aufschauen, sind wir gerettet.

                  Heiko Kuschel, Citykirchenpfarrer und

                  Öffentlichkeitsreferent des Dekanats Schweinfurt

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