Gundula Göbel
Gundula Göbel. Foto: Privat

Trotz Technik fair bleiben

nen Nutzer auch erkennen, wer ihr Profil wiederholt anklickt. Technisch gesehen ist es kein Problem mit mehreren potentiellen Partnern gleichzeitig den Austausch voran zu treiben. Natürlich ist es manchmal hart zu verkraften, wenn jemand dann plötzlich aus dem Dialog aussteigt. Oder ich selbst habe an einem anderen Suchenden einfach mehr Interesse. Das gehört wahrscheinlich zur Natur dieser Suche. Wichtig scheint es mir, da Grenzen zu wahren und selbst nicht unfair zu handeln. Da kommen zunächst Textnachrichten, später Telefonate und Treffen zum Zuge.

Joachim Buses Beispiel war natürlich extrem erfolgreich. Doch oft heißt es auch mit Enttäuschungen umgehen zu lernen – selbst wenn einem die schlimmen Erfahrungen unseriöser Kontakte erspart blieben. Suchende finden trotz vielfacher Angebote kein Gegenüber, bei dem es funkt. Oder ein interessanter Chat-Partner deaktiviert plötzlich den Kontakt. Hat er jemand anderen gefunden? Oder interessiert ihn oder sie das Gegenüber nicht mehr?  

Doch damit müssen die Suchenden fertig werden. „Das wird mich tiefer treffen, wenn ich selbst damit nicht umgehen kann“, antwortet die Psychologin Gundula Göbel da im Gespräch mit dem Sonntagsblatt. Menschen mit Verlust- oder Bindungsängsten seien bei der Online-Vermittlung wohl nicht so gut aufgehoben. Hier gilt fast noch mehr als im realen Leben: Enttäuschungen nicht auf sich selbst beziehen. Für viele Menschen sind da eher Wege in der realen Welt gangbar – etwa im Verein, im Ehrenamt oder bei regionalen Single-Treffs.

Joachim Buses neue Partnerin hat etwa deutlich länger gesucht. Nach sechs Monaten Mitgliedschaft und einigen strapaziösen Treffen war sie nahe daran aufzugeben. Ihre Schwester habe sie überredet, nur noch dies letzte Mal mitzumachen.

Was der Computer rational anbahnt, geht oft nach dem Zufallsprinzip weiter: Denn das Gegenüber muss dann auch noch positiv reagieren. Vielleicht hat es fünf Minuten vorher einen Traumkontakt geschlossen? Einerseits sollten sich die Suchenden bei ihren Entscheidungen nicht hetzen lassen. Andererseits spielt der Zeitfaktor doch schon eine große Rolle. Und Verliebtheit kommt erst nach der Kennenlernphase, so Gundula Göbel. Da ist es wohl nicht für jeden einfach, schnell umzuschalten. „Es ist eine Gleichung mit vielen Unbekannten“, so Buse. Niemand weiß ja, in welchem Stadium sein Gegenüber ist. Doch für ihn wäre es zu belastend gewesen, mehrere Vertiefungsstufen parallel zu führen.

Es siegt das Herz. Achtung, Kopf! Auch nach dem Erfolg und der Kündigung der Premium-Mitgliedschaft bleibt „ein Basisprofil zunächst in der Datenbank erhalten“, gibt Bogatz zu. Es sei denn, die Nutzer deaktivieren zusätzlich auch ihr kostenfreies Profil, durch das viele dort hineinkommen. So bleiben Daten da – auch für eine Rückkehr.

„Aber: Wir wollen natürlich, dass unsere Mitglieder mit interessanten Menschen in Kontakt kommen, die wie sie aktiv auf der Suche nach einer ernsthaften, langfristigen Partnerschaft sind.“ Inaktive Profile von kostenlosen Mitgliedern kämen nicht als Partnervorschlag zum Zuge. Das heißt: „Wer sich direkt nach seiner Registrierung eine Woche lang nicht einloggt, war vermutlich einfach neugierig ... Auch kostenlose Mitglieder, die sich länger als drei Wochen nicht mehr eingeloggt haben, erscheinen nicht auf der Partnervorschlagsliste.“ Nicht genutzte Basisprofile würden nach 24 Monaten aus der Datenbank gelöscht.

Oft äußern sich in Online-Foren enttäuschte Ex-Mitglieder der Börsen, bei denen es nicht geklappt ­habe, so Buse. Die anderen hätten anderes zu tun. Er versteht das Buch als Gegengewicht gegen diese ­verzerrte Wahrnehmung. Schon eine Werbung, sein Leben in die ei­gene Hand zu nehmen.

Zwar spielen Rechenleistung und Zufall eine große Rolle, doch Menschen sind dem nicht ausgeliefert. Sie können Akzente setzen und Charakter zeigen. „Es kann funktionieren, wenn man sich Mühe gibt“, so seine Botschaft. Liebe ist mehr als Rechenleistung. Nun liegt es an den Menschen. Oder an der Fügung.

                     Susanne Borée

– Joachim Buse und Gundula Göbel: Partnersuche im Internet für die zweite Lebenshälfte. Kösel-Verlag November 2018, 208 Seiten, ISBN: 978-3-466-34711-7, 18 Euro.
https://www.marktwaechter.de/pressemeldung/kostenfallen-beim-online-dating
www.parship.de
– Zu den Persönlichkeitsprofilen:
https://www.youtube.com/watch?v=kqlcEEwgaiU.

Außerdem lesen Sie unter anderen in unserer gedruckten Ausgabe vom 17. Februar 2019:

- Bürgerrechtler zum Mitsingen: In Essen hatte das Chormusical „Martin Luther King“ Premiere

- Katholische Kirche diskutiert bei einem „Krisengipfel“ über Missbrauchsfälle und Zölibat

- Typisch fränkisch: Landsynagoge kommt ins Freilandmuseum

=> Interesse an diesen Artikeln der gedruckten Ausgabe?

Diese, die wöchentlichen Rätsel und vieles mehr können Sie bei unserem kostenlosen Probeabo entdecken

=> Gleich online bestellen

 

 

www.kirchenpresse.de - Evangelische Wochenzeitung im Internet