Gott zieht mit uns mit

Brücke
Foto: Bek-Baier

Und der Herr sprach zu Josua: Heute will ich anfangen, dich groß zu machen vor ganz Israel, damit sie wissen: Wie ich mit Mose gewesen bin, so werde ich auch mit dir sein. Und du gebiete den Priestern, die die Bundeslade tragen, und sprich: Wenn ihr an das Wasser des Jordans herankommt, so bleibt im Jordan stehen. Und die Priester, die die Lade des Bundes des Herrn trugen, standen still im Trockenen mitten im Jordan. Und ganz Israel ging auf trockenem Boden hindurch, bis das ganze Volk über den Jordan gekommen war.

                     aus Josua 3, 5–11.17

Die neue Position für Josua gleicht einer Beförderung auf höchste Stelle. Er wird nach dem Tod von Mose zu dessen Nachfolger bestimmt. Er soll Gottes Botschafter sein und das Volk Israel nach 40 Jahren in der Wüste hinüberführen ins gelobte Land. Was für eine Aufgabe! Ob er seinen ersten „Arbeitstag“ mit Unbehagen und Furcht angetreten hat, wird nicht berichtet in der biblischen Erzählung. Nur Gottes Zuspruch ist zu lesen: „Ich werde mit dir sein.“ Der Auftraggeber steht also schon einmal voll und ganz hinter Josua. Das zeigt er auch dem ganzen Volk, er gibt Josua konkrete Anweisungen und wundersame Zeichen an die Hand. So sollen die Israeliten sehen und spüren, dass Gott immer noch bei ihnen ist. Während der Wanderung durch die Wüste ist die Bundeslade mit den Tafeln der zehn Gebote zum Symbol für Gottes Gegenwart geworden. Dieses Zeichen soll nun vorangehen. Israel soll erkennen: Ihr Gott ist ein lebendiger Gott, der 40 Jahre mitgewandert ist, der immer noch da ist und mit ihnen den nächsten Schritt geht. Freilich bleiben Schwierigkeiten und Hindernisse nicht aus: Das ganze Volk muss den Jordan überqueren. Gleich einem Déjà-vu zum Auszug aus Ägypten wird der Weg erst einmal durch Wasser abgeschnitten. Die Israeliten erleben und erfahren, dass Gott auch diesmal den Weg durchs Wasser bahnt. Wenige unter uns werden zu Beginn dieses Jahres 2019 befördert worden sein oder eine ganze Nation leiten. Dennoch stehen wir alle vor einem Neubeginn. Wir wissen noch nicht was passieren wird, im Privaten, im Arbeitsleben und auf der großen Weltbühne. Sicher werden Tage kommen, an denen sich Aufgaben, Probleme und Sorgen auftürmen und den Weg verstellen, so wie das Wasser des Jordans. Gott lässt dieses Wasser nicht gänzlich verschwinden, aber er macht es begehbar. Er bahnt einen Weg, wo vorher noch keiner zu sehen war. Vielleicht bewirkt Gottes Gegenwart in meinem eigenen Alltag, dass ich Mut habe, überhaupt neu anzufangen, dass ich einen Schritt nach dem anderen gehen kann und die Kraft bekomme, durchzuhalten. Auch ohne Bundeslade, die sichtbar vorangeht, ist und bleibt Gott ein lebendiger Gott. Er ist mitgewandert durch die Zeit – mit Generationen von Menschen. Er geht auch mit mir immer wieder den nächsten Schritt, jetzt im neuen Jahr, am ersten Schultag, beim Wechsel der Arbeitsstelle, beim Eintritt in den Ruhestand, an den vielen Neuanfängen mein ganzes Leben hindurch.

                  Pfarrerin Julia Steller, Schongau

Gebet:

Guter Gott, lass uns darauf vertrauen, dass du mit uns gehst. Schenke uns Zeichen deiner Gegenwart und bahne uns Wege, wo wir noch keine sehen. Amen.

Lied 361:

Befiehl du deine Wege

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