Bilder der Hoffnung

Brücke
Foto: Bek-Baier

Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich erschaffe Jerusalem zur Wonne und sein Volk zur Freude, und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk.

                     aus Jesaja 65, 17-19 (20-22) 23-25

Das Erdbeben kam aus dem Nichts, ein ganzer Landstrich zerstört. Als sie das kleine Haus der Familie betritt, zunächst nur stummes, lähmendes Entsetzen, dann Tränen und Trauer und Verzweiflung. Doch dann beginnt sie, sich an die Arbeit zu machen. Was tut sie als Erstes? Sie nimmt das heruntergefallene Bild und hängt es an die eine noch heile Wand. Ein bunt blühender Blumenstrauß!

Ein wunderbares Bild über einem Trümmerfeld - das sind auch die Worte des Propheten Jesaja. In ihrer babylonischen Gefangenschaft hatten sich die Israeliten nichts sehnlicher gewünscht, als in ihre Heimat zurückzukehren. Sie hatten nie aufgehört, davon zu träumen; in den schönsten Farben ihrer Phantasie hatten sie sich das alles ausgemalt: Den prächtigen Tempel, die wunderbare Stadt, die schönen Häuser, die fruchtbaren Weingärten, keine Angst und Bedrohung, ein Leben in Freiheit und Würde. Das hatte ihnen geholfen, trotz aller düsteren Zukunftsperspektiven die Hoffnung auf Befreiung nicht aufzugeben, die Kraft, trotz allen Unrechts durchzuhalten.

In die Trümmerfelder unseres Lebens hinein stellt Jesaja seine Bilder der Hoffnung. "Siehe …", ruft er gleich zweimal die Menschen auf, ihre Blicke zu erheben und sich dem zu öffnen, was Gott ihnen zu sagen hat. "Siehe", durch dieses Wort kündigt Gott in der Bibel an, dass etwas Unerwartetes und Bedeutsames geschieht. "Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer" - die frohe Botschaft des Adventes. "Siehe, ich verkündige euch große Freude" - das Weihnachtsevangelium. Siehe, Mensch, es wird gut ausgehen mit dir, mit uns allen, mit dieser Welt.

Die Zukunft, die Gott uns bereitet hat, lässt sich nicht nach irdischen Maßstäben messen. Unsere menschliche Vorstellungskraft muss versagen, wenn wir die Kraft Gottes beschreiben wollen.

Paul Gerhardt singt davon in ­seinem Morgenlied, in dem er die güldne Sonne preist und das menschliche Auge, das schauen darf, "was Gott gebauet zu sei-
nen Ehren und uns zu lehren, wie sein Vermögen sei mächtig und groß, und wo die Frommen dann sollen hinkommen, wenn sie in ­Frieden von hinnen geschieden
aus dieser Erden vergänglichem Schoß".

Die Schönheit der Welt gibt uns einen Hinweis auf das, was Gott uns zugedacht hat. Aber mehr als ein Hinweis ist es nicht. Und so fährt der Dichter fort: "Alles in allem muss brechen und fallen. Himmel und Erden die müssen das werden, was sie vor ihrer Erschaffung gewest. Alles vergehet, Gott aber stehet ohn alles Wanken; seine Gedanken, sein Wort und Wille hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden, heilen im Herzen die tödlichen Schmerzen, halten uns zeitlich und ewig gesund." 

                  Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern, Nürnberg

Gebet:

Gott, bei dir suchen wir Zuflucht mit unseren Erinnerungen. Du birgst unsere Toten in deinem ewigen Gedenken, du hast Trost für die Lebenden. Durchbrich Trauer und Schwermut mit deiner Hoffnung und lehre uns mit Abschieden leben. Amen

Lied: 449,1-2.8:

Die güldne Sonne voll Freud und Wonne

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