Editorial: Bilanz des Jahres

Susanne Borée
Susanne Borée

Die Bilanz des Jahres ziehen: Der  November mit seinen "dunklen Feiertagen" und dem Ende des Kirchenjahres bietet dafür einen angemessenen Rahmen. Er erscheint sogar viel geeigneter als die hektische Weihnachtszeit oder die "Tage zwischen den Jahren", an denen noch der Festtagsbraten zu verdauen ist.

Wie sah nun in den vergangenen Monaten mein Soll und Haben aus? Bevor meine Hände noch eine Tabelle zeichnen können, stocke ich bereits: Lassen sich solche nüchterne Kategorien auf die Lebenszeit anwenden? Kann ich da wirklich "ins Minus gehen"?  

"Sind ein paar Hoffnungen zerronnen? / War dies und jenes Lug und Trug?" So fragt der Sänger Reinhard Mey in einer Ballade. Sie hat auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Er nannte das Lied "Ich denk’, es war ein gutes Jahr."
Von welchen Illusionen also konnte ich mich in den vergangenen Monaten verabschieden? Und welche ungeliebten Gewohnheiten bin ich doch nicht losgeworden?

Der warme, weite Sommer hat vielleicht mitgeholfen, ein wenig inneres Eis abzuschmelzen. Hoffentlich hat er nicht zur Erweiterung innerer Wüsten geführt.
Niemand jedoch ist ein unbeschriebenes Blatt. Viele Seiten unseres Lebensbuches sind schon gefüllt. Und dies nicht immer so, wie wir es uns wünschen. Doch will ich mich "bessern" - die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs "Buße". Bei vielen persönlichen Riten, die sich tief eingeritzt haben, geschieht das nur mühsam. Doch können wir all dies vor Gott legen.

Der Volkstrauertag gewinnt in diesem Jahr mit seinen "Jubiläen"  des Kriegsendes von 1918 und der Reichspogromnacht von 1938 eine besondere Bedeutung. Er mahnt uns, nie wieder uns in den Fallen eigener Selbstüberheblichkeit zu verstricken. Wird es gelingen?

Aufbrechen zu neuen Horizonten - wie es seit Anbeginn der Zeiten geschah - erhoffe ich mir immer wieder für mein Leben. Seit jeher ist es ein menschlicher Wunsch, unterwegs gute Spuren zu hinterlassen. Zumindest die nächste Generation kann sich erinnern. Dann beginnen Überreste wieder zu verwischen.  Muss ich mich damit im eigenen Leben abfinden? "Nichts bleibt von Bildern, die zerrinnen", singt Reinhard Mey weiter in der Ballade. "Nur eines seh‘ ich noch vor mir ..." oder auch ein paar mehr. Wie sehen sie bei Ihnen aus?

Susanne Borée

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