Der Dank als Lebenshaltung

Brücke
Foto: Bek-Baier

Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet.

                     1.Timotheus 4,4-5

Eine Frau geht mit ihrer kleinen Tochter zum Einkaufen. Im Metzgerladen bekommt die Kleine ein Stück Wurst geschenkt. "Wie sagt man denn?", fragt die Mutter ihre Tochter. Und die antwortet pflichtschuldig "Danke!".

Für Manche ist das Erntedankfest ein Tag, wo der Dank als Pflichtübung auf der Tagesordnung steht. Keine Frage: Es ist gut, dass es Tage wie das Erntedankfest gibt, an denen der Dank besonders in den Blick kommt. Doch dem Apostel Paulus geht es im 1.Timotheusbrief um mehr als um den Dank zu bestimmten Anlässen. Er beschreibt den Dank als eine Lebenshaltung. Genauer gesagt als Antwort auf Empfangenes. Eine solche Haltung verändert auch das Umfeld. Da sagt ein Ehepartner zum anderen: Schön, dass du noch dieses und jenes gemacht hast, obwohl du selbst genug zu tun hattest. So ein Dank signalisiert dem Partner: Es ist nicht selbstverständlich, was er getan hat.

Dankbare Menschen strahlen in ihre Umgebung aus. Der deutsche Dramatiker und Schriftsteller August von Kotzebue hat es so ausgedrückt: "Dankbare Menschen sind wie fruchtbare Felder. Sie geben das Empfangene zehnfach zurück."

Wer dankt, zeigt, dass er sich nicht alles selbst verdankt, sondern auch um das weiß, was jemand Anderes getan hat. Wer dankt, nimmt all das, was er von Gott empfangen hat, nicht als selbstverständlich hin. Der Apostel Paulus rät, mit Gott darüber im Gebet zu sprechen. Die Güter des Lebens in die Atmosphäre Gottes zu stellen. Also dankbar zu empfangen, was Gott einem zukommen lässt und darauf zu hören, was er zum Umgang damit sagt - durch sein Wort und das von ihm geprägte Gewissen.

Der Dank als Lebenshaltung. Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens, hat dazu folgende tägliche Übung vorgeschlagen: Sich am Abend 10 bis 15 Minuten Zeit zu nehmen, um den Tag noch einmal an sich vorüberziehen zu lassen. Um wahrzunehmen, was gut und schön war, was Glaube vertieft, Hoffnung geweitet und Liebe gestärkt hat. Um zu sehen, was gut geschmeckt hat und wofür Gott als dem Geber aller Gaben zu danken ist. Und sicher kommt beim Rückblick auch Resignatives, Ärgerliches und Verletzendes ans Licht. Das lässt sich ebenso vor Gott bringen und bei ihm ablegen. So kann jemand geordnet in die Nacht hineingehen, um am Morgen frisch in den neuen Tag zu starten. Übrigens: Auf diese Weise eine Haltung des Dankes einzuüben, ist nicht nur etwas für schöne Tage. Es hilft auch für schwere Zeiten.

Der Dank als Lebenshaltung: Wo es gelingt, diese Haltung einzuüben, steht auch der Erntedanktag nicht mehr isoliert da.  Und dann ist Danken alles andere als eine Pflichtübung.

                  Dekan Günter Saalfrank, Hof

Gebet:

Herr, unser Gott, Danken ist eine gute Medizin für die Seele, denn dem Dankbaren erschließt sich das Leben. Befreit aus dem Ghetto der Ichbezogenheit. Dank lässt Freude statt Angst die bestimmende Lebensmacht werden. Dank gegenüber dir macht das Leben schöner und glücklicher. So danken wir dir für all das, was du uns tagtäglich schenkst: Für die kleinen und großen Dinge. Amen.

Lied 324:

Ich singe dir mit Herz und Mund

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