Zum Beileid

Inge Wollschläger
Inge Wollschläger

Vor ein oder zwei Monaten hatten wir miteinander telefoniert. Sie kam mir damals in den Sinn.  Weil es immer besser ist, nichts auf die lange Bank aufzuschieben, rief ich sie an. Wir plauderten angeregt und tauschten uns aus. Wir erzählten aus unserem Leben. Ihre Stimme klang so, wie an dem Tag, an dem wir uns kennenlernten: Freudig und herzlich.

Als wir uns vor einigen Jahren kennenlernten, fühlten wir uns sofort verbunden - wie es so hin und wieder passiert im Leben. Fast gleich alt, ähnliche Lebenssituation mit Beruf und Kindern, lachten wir gemeinsam, verstanden uns ohne viel Worte und mussten über vieles nicht weiterreden, weil wir wussten: Die andere versteht. Wir trafen uns zu Interviews und hin und wieder telefonierten wir. Wie auch an dem Tag vor ein, zwei Monaten.

Jetzt musste ich erfahren, dass die Pfarrerin Simone Bosch aus Neuendettelsau verstorben ist.

Es war kein Geheimnis, dass sie krank war. Auch hier im Sonntagsblatt berichteten wir von ihrer Geschichte. Von ihrem Aufschub, der ihr - so erzählte sie damals - auch von Gott geschenkt wurde.

Vieles hat sie durchgemacht und am Telefon konnte ich erahnen, wie viel Kraft es sie und ihre Familie kostete.

Nun ist sie an einem anderen Ort. An dem Ort, dem sie aber gerne noch länger fern geblieben wäre. Viel zu früh für die, die ihr nahestanden und die sie so sehr liebte. Hiob kommt mir in den Sinn: "... mein Schreien fährt heraus wie Wasser. Denn was ich gefürchtet habe, ist über mich gekommen, und wovor mir graute, hat mich getroffen."

Genauso fühlte es sich an: Wir wissen, dass es "irgendwann" passieren wird. Und wenn es dann eintrifft, sind wir völlig überwältigt und wollen es nicht glauben. Bleischwere Trauer gepaart mit der Unfähigkeit, all die Liebe und den Kummer in Worte zu fassen.

Simone, wo auch immer du jetzt bist: Danke für unsere Gespräche und unsere Verbundenheit. Danke für unser Vertrauen. Und sage Gott ein Dankeschön, dass wir uns kennenlernen durften.

Im November wollte ich dich in Neuendettelsau besuchen. Jetzt wird es ein anderer Ort sein, als deine heimische Wohnstube. Aber ich komme trotzdem. Und ich bringe eine Packung Kekse mit, wie wir sie bei unseren Treffen futterten.                 

Inge Wollschläger

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