Andacht: In Jesus ist Gott ganz nah

Elisabeth und Maria
Elisabeth und Maria. Detail der Ansbacher Handwerkerkrippe. Foto: Wairer

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Philipper 4,4-7

 

Wir sollen uns freuen, weil der Herr nahe ist? Stimmt das mit unserem Lebensgefühl überein? Haben wir nicht - gerade nach den Diskussionen in und um Kopenhagen herum, eher Angst vor dem Weltuntergang? Und da sollen wir uns nicht sorgen?

Die Christen zur Zeit des Paulus sehnten sich nach dem Untergang dieser Welt. Schluss sollte sein mit den gegenwärtigen Verhältnissen. Darum sehnten sie sich nach dem Ende. Wir fürchten das Ende. Wir wollen unsere Welt bewahren. Wie zur Zeit des Paulus beten wir auch "Ja, komm Herr Jesus!" Doch wir setzen in Gedanken erschrocken dazu „aber bitte nicht so bald!“

In der nahen Erwartung des Endes, in der die Christen damals lebten, war es das Wichtigste, auf Gott zu vertrauen, ihm alle Sorgen im Gebet anzuvertrauen und dadurch im Herzen Frieden zu bewahren.

Wir verstehen kurz vor Weihnachten den nahen Herrn anders: Wir warten aus verschiedensten Gründen sehnsüchtig auf das nahe Weihnachtsfest, an dem wir gemeinsam feiern wollen, dass Gott als Mensch geboren uns Menschen ganz nahe gekommen ist.

Das ist Grund zu großer Freude, weil wir jetzt wissen, dass alle Sorgen, die wir haben, alles Leid, auch alle Ängste um die Zukunft dieser Welt bei Gott gut aufgehoben ist: Er hat selbst erfahren, was es bedeutet, als Mensch zu leben, aber auch zu leiden und zu sterben. Das ist in der Tat ein guter Grund sich zu freuen. Und deshalb dürfen wir uns auch auf das Weihnachtsfest freuen. Dürfen uns darauf freuen, von Menschen, die uns liebhaben, etwas geschenkt zu bekommen. Dürfen wir auf das Christkind warten?

Das ist zwar nicht dasselbe wie auf den Herrn zu warten, hat aber einiges damit zu tun. Es war ja Martin Luther, der die Christkind-Tradition begründet hat. Und zwar aus der Überlegung heraus: Weihnachten ist das Fest, an dem Gott uns etwas schenkt: seinen Sohn. So lasst uns nun auch einander etwas schenken. Das Fest des Schenkens hat also einen guten Grund. Weil Gott uns etwas schenkt, nämlich seinen Sohn, beschenken auch wir einander.

Und weil Gott uns beschenkt, dürfen wir diese Liebe und Güte Gottes, die wir spüren, auch andere Menschen spüren lassen, nicht nur an Weihnachten, sondern alle Tage unseres Lebens. Man muss das Warten aufs Christkind also gar nicht als Fehldeutung ansehen.

Die Adventszeit verbreitet bei uns zwar keine Endzeitstimmung, aber sie gibt unserer Erwartung Gestalt, dass es Weihnachten wird und dass Christus in unser Leben kommt. So wie er vor 2000 Jahren als kleines Kind in unsere Welt kam, so sehnen wir uns danach, dass er auch heute immer wieder kommt.

Die Zahl der Menschen, die am Heiligabend oder zu Weihnachten einen Gottesdienst besuchen, ist ja groß. An diesem einen Abend im Jahr wird eine Sehnsucht spürbar nach dem Kommen Christi in unsere Welt, in mein Leben. Da ist eine große Sehnsucht nach der Freude, von der unsere Weihnachtsgottesdienste erfüllt sind.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie selbst von dieser Freude angesteckt werden und dass Sie diese Freude weitergeben und ausstrahlen können – nicht nur an Weihnachten, aber da ganz besonders. Denn Gott ist uns nahe, wie nah oder weit auch das Weltende entfernt sein mag: er ist uns nahe jeden Tag.

 

Johannes Friedrich
Landesbischof

 

Gebet:

Wir danken Dir, himmlischer Vater, dass Du in Deinem Sohn Jesus als Mensch in unsere Welt gekommen bist. Wir danken Dir, dass Du deshalb unsere Sorgen und unser Leid kennst und verstehst. Wir danken Dir, dass Du uns deshalb immer nahe bist. Lass unsere Freude über Dich ansteckend sein. Amen.

Lied (EG 9):

Nun jauchzet all, ihr Frommen

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