Partnerkirchen wie Perlen an einer Schnur

Simultankirchenradweg
Susanne Götte, Öffentlichkeitsreferentin im Dekanat Weiden, Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler vom Förderverein Simultankirchen in der Oberpfalz e.V. mit Josef Kohl aus Freihung und Heinrich Müller, Organist in Thansüß, vor der dortigen St.-Katharina-Kirche. Fotos: Borée

Unterwegs auf dem Simultanradweg von Freihung über Thansüß nach Mantel - und zurück

''Hier teilt die Bahnlinie die Konfessionen.'' Josef Kohl kennt sich bestens aus in seiner Heimatgemeinde Freihung - und in der dortigen Kirche Heilige Dreifaltigkeit. Jenseits der Bahnlinie sei protestantisches Land, hier im Hauptort Freihung katholisches Gebiet. Teilen? Bisher dachte ich, der Simultankirchen-Radweg verbindet die Konfessionen: Schließlich haben sich Jahrhunderte lang im damaligen Fürstentum Pfalz-Sulzbach evangelische und katholische Christen eine Kirche geteilt. Sie sollten sich näher kommen - so der fürstliche Gedanke.

Und die konfessionelle Einigkeit bleibt immer noch trotz Bahnlinie fester als anderswo. Kohl zum Beispiel ist katholisch und führt durch die Freihunger Heilige-Dreifaltigkeitskirche. Sein Schwager Heinrich Müller einen Ort weiter in Thansüß ist jedoch gestandener Organist in der evangelischen St.-Katharina-Kirche.
Dabei stand die Bahnlinie nach Freihung zunächst immer im Mittelpunkt praktischer Erwägungen meinerseits. Denn dieser Ort ist von Nürnberg aus mit einem direkten Zug in einer guten dreiviertel Stunde zu erreichen - und liegt noch im Nürnberger VGN-Bereich. Das Fahrrad ist da im Tagesticket inbegriffen.

Also nichts wie in die Sonne - Kultur inklusive. Der Simultankirchen-Radweg in der Oberpfalz besteht aus zehn Routen. Wie Perlen an einer Schnur reihen sich fast 50 Kirchen an ihnen auf. Heute bestehen 38 historische und acht noch vorhandene Simultankirchen. Die Industrialisierung, die Bevölkerungszunahme und eine verbesserte Wirtschaftslage im beginnenden 20. Jahrhundert ermöglichte Kirchenneubauten. Die Gemeinde, die die alte Kirche behielt, musste der ausziehenden Gemeinde ihren Anteil auszahlen.

Zwischen 23 und knapp 50 Kilometer Länge sind pro Tour zu fahren. Schon seit drei Jahren gibt es das Radwegenetz - Zeit, um es endlich auszutesten. Inzwischen ist er bereits gut ausgebaut. Viele der Routen sind wie Freihung auch per Bahn erreichbar. Mit etwa 35 Kilometern liegt der Radweg im mittleren Bereich der Strecken - also machbar.

Die Bahnstation in Freihung befindet sich etwas außerhalb. Mit dem Fahrrad geht es jedoch schnell in den Ort hinein. Meist behielt die evangelische Gemeinde das Gotteshaus - nicht so in Freihung. Farbgeruch kitzelt die Nase in der großen Freihunger Dreifaltigkeitskirche. Ja, gerade erst war eine aufwändige Renovierung beendet - schon die zweite nach 1968/69.

Dabei hatte die evangelische Kirche, die die Radler von ihrem Weg vom Bahnhof schon rechts liegen gesehen haben, nach ihrem Auszug deutlich weniger Glück. 1924 eingeweiht, musste sie bereits 1948 wegen schlechter Fundamente und Fehlplanungen abgerissen werden. "Nur der Turm blieb stehen", weiß Josef Kohl, "das Kirchenschiff wurde um 90 Grad gedreht an seine Nordseite gesetzt." Dabei war Freihung als Bergwerksstandort gleich im 16. Jahrhundert lutherisch geprägt. Im Verlauf der Gegenreformation wehrten sie sich lange gegen das Konvertieren - bis sie endlich das Simultaneum rettete.

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