Göttliche Verpflichtung

Göttemann
Matthias Göttemann bei einer Probe. Foto: Meißner

Musikalischer Advent auch in der unterfränkischen Diaspora als ökumenische Chance

Die Adventszeit ist als Vorbereitung auf Weihnachten für viele Menschen die schönste Zeit im Jahr. Sie gilt auch als die stillste Zeit. Nicht so für einen Kirchenmusiker wie Matthias Göttemann, der seit sieben Jahren als Dekanatskantor für das unterfränkische Dekanat Rügheim wirkt und bekannt ist für seine vielfältige wie anspruchsvolle Arbeit. Der "Vollblutmusiker", wie ihn musikalische Weggefährten bezeichnen, bietet der Region regelmäßig klassische Kirchenmusik in Konzerten und Gottesdiens­ten und gestaltet darüber hinaus das kulturelle Leben in Würzburg als Dirigent des Oratorienchores und des Madrigalchores mit.

Insgesamt etwa 1.200 Zuhörer konnten seiner herausragenden Aufführung des "Elias" in großer Besetzung jüngst in Knetzgau und Würzburg beiwohnen, wo er mit allen Akteuren begeistert gefeiert wurde und damit einen Höhepunkt seiner Laufbahn erlebte. Der Verdacht liegt nahe, dass Göttemann seinen Namen als "göttliche Verpflichtung" sieht, den Gemeinden seiner Region göttliche Musik zu bescheren.

Nach dem Konzept befragt, erklärt der Kantor, dass ein in Qualität und Quantität derart anspruchsvolles Programm nur als Gemeinschaftswerk mit vielen begeisterten Helfern und Mitorganisatoren, die Musik als Herzensangelegenheit sehen, zu realisieren sei. Kern seiner Tätigkeit als Dekanatskantor ist die Kantorei Haßberge. In allen Bereichen des Konzertmanagements und der Öffentlichkeitsarbeit ist ein Team von mehr als 30 Ehrenamtlichen tätig, die sich neben ihrem Beruf und über das sängerische Engagement im Chor hinaus einbringen. "Dafür bin ich außerordentlich dankbar!", betont der Chef. Persönlich setze er seine ganze Arbeitskraft als A-Kirchenmusiker ein, um das Programm in den Haßberg-Gemeinden in musikalische Wirklichkeit umzusetzen und Musik in seiner Vielfalt erklingen zu lassen.

Göttemann beseelt ihn Idee, den Gedanken der Ökumene musikalisch in die zumeist katholisch geprägte Region zwischen Bamberg, Würzburg und Coburg zu tragen. In der von ihm geleiteten Kantorei, die sich im Internet als "altersgemischter Chor mit guter Stimmung, menschlich und musikalisch gesehen" vorstellt, singen Frauen und Männer beider Konfessionen. Froh ist der evangelische Kantor, dass es ihm in diesem Jahr gelungen ist, seine katholische Kollegin aus Ebern als Repetitorin und Assistentin für die Kantorei zu gewinnen. Im Konzertkalender der "Kirchenmusik in den Haßbergen" unter dem Schirm des De­kanats Rügheim sind deshalb in der Vorschau auf 2010 auch Konzerte zu finden, die gemeinsam mit der katholischen Kirchengemeinde Ebern veranstaltet und ausgeführt werden.

Konzert
Kantorei Haßberge bei einem Konzert.

Kantaten-Gottesdienste in evangelischen und katholischen Gemeinden sind bereits zu einer schönen Tradition geworden. "Damit bringen wir zum wiederholten Mal zum Ausdruck, dass unsere Musik nicht nur in evangelischen Kirchen erklingt, sondern wir sozusagen überkonfessionell tätig sind", merkt der 40-jährige Kirchenmusiker dazu an. "Die Konstellation des Programms", ist von Göttemann zu erfahren, "spiegelt viele katholische und evangelische Aspekte wider, die, so wie der Gaststatus in Kirchen beider Konfessionen gelebte Ökumene und ein Zeichen guten Zusammenlebens in dieser Region sind".

Im ersten Halbjahr 2010 steht ein musikalisch gestalteter Gottesdienst in der Gemeinde Ermershausen an, in der katholischen St. Bartholomäuskirche Knetzgau wird im Wechsel- und Zusammenspiel mit dem Bezirksposaunenchor Göttemanns Orgelspiel zu hören sein, zu Mariengesängen des Würzburger Madrigalchores lädt er in die Wallfahrts­kirche "Maria Limbach" ein ­sowie zum Konzert mit Orgel und Trompete in die evangelische Kirche Altenstein.

Höhepunkt wird zweifellos an Karfreitag die Aufführung des relativ unbekannten Passionskonzertes "Der Tod Jesu" von Carl Heinrich Graun sein, das 1755 im protestantischen Berlin uraufgeführt wurde. Bei allen Projekten bezieht der "Künstler Göttemann" Profis und Laien in fruchtbarem Miteinander ein und stellt an alle Beteiligten, wie an sich selbst, höchste Anforderungen. Da gibt es auch mal gespannte Stimmung, wenn die Anforderungen kurz vor einem großen Konzert so hoch sind, dass Chormitglieder nicht wissen, wie sie Beruf, Familie und Hobby unter einen, nämlich Göttemanns "Hut" bringen sollen. Aber spätestens wenn tosender Applaus losbricht, so wie im November in Würzburg in St. Johannis nach dem letzten Ton des "Elias", sind alle versöhnt und bei der nächsten Probe für ein weiteres, schwieriges Projekt erneut versammelt.

Hat Göttemann ein Geheimnis? Vielleicht dieses, dass er "einfach immer gute Laune hat", wie ihn eine langjährige Sopranistin der Kantorei charakterisiert. Mit seiner Frohnatur begeistert er auch die Kinder des Musicalchores, ohne deren Erwähnung dieser Abriss gänzlich unvollständig wäre. Nach "König David" und dem "Gespenst von Canterville", führt er mit den Nachwuchssängern 2010 ein Kindermusical vom Wünschen, Haben und Teilen von Kurt Enßle auf: "Guck mal übern Tellerrand".

Dieser Titel könnte sinnbildlich für das gesamte Wirken des Deka­natskantors stehen, von dem auch in Zukunft weitere musikalische Höhepunkte zu erwarten sind. Im Advent bietet er als "Fortsetzungsgeschichte" alle sechs Kantaten von Bachs Weihnachtsoratorium in zwei Konzerten an, am dritten Advent in Haßfurt und am vierten Advent in Königsberg in Bayern.

Sabine Meißner