"In dir und mir kummd Godd af d' Weld"

Röhlin und Küfner
Die Pfarrer Karl-Heinz Röhlin und Herbert Küfner haben gemeinsam das illustrierte Bändchen„Fränggische Weihnachd“ gestaltet. Foto: Bek-Baier

Illustrierte "Fränggische Weihnachd" von den Pfarrern Karl-Heinz Röhlin und Herbert Küfner

Es ist die "allerschennsde Gschichd der Weld", die Weihnachtsgeschichte nämlich. Und weil Pfarrer Karl-Heinz Röhlin davon überzeugt ist, dass man das Wichtigste nur gut in der Muttersprache, der Mundart, wiedergeben kann, hat er die Weihnachtsgeschichte nach Lukas in Mundart-Reime übertragen. "In Mundart kann man einfach und - elementar vom Glauben reden - da ist die Weihnachtsgeschichte eine gute Möglichkeit", ist Röhlin überzeugt.

Ziel war es auch die Bedeutung für unsere Zeit herauszustellen: "Di Gschichd vo Jesus hod ka End mid däm neia Desdamend. Sie gäid weider heidzoudooch, des is fier miech wergli ka Frooch. In dir und mir wärd Godd geborn. Er hod uns alle auserkorn", dichtete Röhlin, der Pfarrer und Rektor des Pastoralkollegs in Neuendettelsau ist.

Die Weihnachtsgeschichte wurde natürlich auch bebildert. "Das macht das Buch so richtig interessant", sagt der Autor. Doch beinahe wäre es nicht so weit gekommen.

Herbert Küfner ist Pfarrer in Erlangen Büchenbach. Sein Büro sieht eher nach Atelier aus. Eine Staffelei beherrscht das Zimmer. Überall stehen Gemälde. Bilder zu einer fränkischen Weihnacht zu malen, das konnte er sich jedoch beim besten Willen nicht vorstellen. "Volkstümliches ist gar nicht mein Stil", sagt er. So lehnte er erst einmal die Anfrage des Verlages ab. Als er aber die Verse von Karl-Heinz Röhlin las, sagte ihm die "Fränggische Weihnachd" so zu, dass er neu überlegte. Er suchte nach einem Konzept für die Bilder, denn er will sich nicht als bloßer Illustrator der Verse sehen. "Gott kommt auf die Erde" oder "Biblische Landschaften" hätte so ein Konzept heißen können. Nun hat er vor allem die biblischen Personen der Weihnachtsgeschichte als Thema für seine Bilder entdeckt. "Die Bilder sollten eine eigene Geschichte erzählen und eine eigene Aussage haben", ergänzt Röhlin.

Das Interesse an Mundart nimmt derzeit stark zu, weiß Röhlin aus Untersuchungen und eigener Erfahrung. Zu seinen Lesungen kommen mehr Leute denn je - und es kommen andere Leute, als sie sonst in Kirchen zu finden sind. Röhlins Erklärung für dieses Phänomen: Durch die Globalisierung der Welt nimmt gleichzeitig die Regionalisierung zu, der Heimatbegriff hat eine positive Prägung erfahren. "In der Mundart kann ich manches deutlicher sagen, als im Hochdeutschen." Er sei mit der Mundart groß geworden. "Das Hochdeutsche war meine erste Fremdsprache", sagt der Pfarrer mit durchaus ernstem Gesicht. "Mit dem Fränkischen lebe ich!"

Buchtitel

Als Pfarrer Herbert Küfner nach Erlangen-Büchenbach kam, hatte er in der örtlichen Bezirksklinik zum ersten Mal Begegnung mit Bildern aus der Kunsttherapie. Psychisch kranke Menschen malen sich ihre Gefühle von der Seele. "Da war ich sehr fasziniert!" So kam es, dass der Pfarrer selbst zum Pinsel griff. Zunächst organisierte er mit dem Kunsttherapeuten der Klinik Workshops in seiner Gemeinde. "Ich war nie gut in Kunst, auch nicht an der Schule", erinnert er sich. "Es ist aber nie zu spät etwas Neues anzufangen, wenn eine Begabung in uns steckt!" "Meine Bilder entstehen nicht im Kopf, sondern aus mir heraus", umschreibt Küfner den künstlerischen Schöpfungsakt, den er mit Ölkreiden, Aquarell- oder Acrylfarben ausführt. Eine gute Übung dazu wäre alle drei Minuten ein neues Bild zu malen. Zum Überlegen bliebe da keine Zeit.

Röhlin und Küfner verstehen das Bändchen als Benefiz-Buch. Fünf Euro pro Exemplar fließen in ein Missionsprojekt im Kongo. In dem von Krieg gebeutelten Land betreibt die Lutherische Kirche des Kongo die Schule "Epiphanie I". Die Schule in Kimbeimbe steht in einer Region im Süden des großen Landes, in der große Armut herrscht. Über die Hälfte der Eltern können selbst die niedrigen Schulgebühren nicht aufbringen. Trotz schwierigster Bedingungen - es fehlt an einem intakten Gebäude, aber auch an Schulmaterial, wie Stifte und Papier - versucht die Schule den kongolesischen Kindern durch Bildung Hoffnung für die Zukunft zu geben. Für die Allerkleinsten gibt es aus Spendengeldern auch eine tägliche Milchspeisung.

Die "Fränggische Weihnachd" ist auch als Krippenspiel aufführbar. Dazu hat Röhlin auch Regieanweisungen geschrieben. Im Anhang findet man auch drei fränkische Liedtexte zu bekannten Melodien, wie "Blowin in the Wind" von Bob Dylan.

Martin Bek-Baier