Andacht: Die Hoffnung weitertragen

So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.

 

Jakobus 5,7-8

 

"Das Kommen des Herrn ist nahe!", sagt der Autor des Jakobusbriefs. Eine adventliche Botschaft. Zweiter Advent - wir warten auf Gottes Ankunft in der Welt, auf die Geburt des Gotteskindes. Der Wunsch, dass Gott kommt, greifbar und sichtbar für alle, er ist so alt wie die Menschheit. Solange es Menschen gibt, sehnen sie sich nach Frieden, Genesung und Sattheit an Leib und Seele.

Selbst unsere Adventsmärkte mit den Lichtern, Adventsliedern und dem Geruch nach Glühwein und Plätzchen können die Welt nicht plötzlich in eine milde Atmosphäre tauchen. Sie ist nicht nur gut, nein, auch bei uns nicht. Die Depression, die die Seele des jungen Mannes seit Jahren umklammert hält, lässt sich auch jetzt nicht einfach abschütteln. Wer obdachlos ist oder zumindest ein sattes Minus auf seinem Konto verbucht, erlebt jetzt geballte Trostlosigkeit. Und das Kind, das unter streitenden Erwachsenen aufwächst, wünscht sich wohl nichts Sehnlicheres als ein friedvolles Weihnachtsfest mit allem, was dazugehört.

Das Wort "adventus" heißt Ankunft. Gemeint ist die Ankunft Gottes, der Frieden und Gerechtigkeit versprochen hat. Ja, wir warten darauf, dass das, "was uneben ist, gerade wird". So hat es Jesaja prophezeit (Jesaja 40, 4). Wir warten auf die Geburt Gottes im Stall von Bethlehem.

Der Briefschreiber mahnt zur Geduld. An der Geduld des Bauern, der das Wachstum des Getreides von Saat bis Ernte beobachtet, sollen wir uns ein Beispiel nehmen. Es ist viel, was er von uns fordert. "Seid geduldig bis zum Kommen des Herrn", ermutigt uns der Jakobusbrief, "stärkt eure Herzen!" Es ist ein Unterschied, ob ich erwartungsvoll lebe oder ob ich leer vor mir hinstarre, bis etwas passiert. Wer voller Erwartung ist, kennt Hoffnung. Und wer hoffnungsvoll auf das Christfest wartet, lebt in der Erwartung, dass Gott sein Versprechen wahr machen wird. Wer voller Erwartung ist, der ahnt: Gott ist alles möglich! - Ob dieses Evangelium ausreicht für den, der in diesen Wochen in Not ist? Ich glaube, nein! So gilt es den anderen, die von Hoffnung erfüllt sind, davon zu erzählen, die Hoffnung auf Gottes Ankunft in der Welt weiterzutragen und sich derer anzunehmen, die keinen Schimmer sehen können am schwarzen Himmel. Die Herzen stärken!

Dann wird Gott kommen. Stille wird sich über das Land legen. Wenn die Nacht am dunkelsten ist, wird ein Stern aufflammen. Und in die Stille hinein ertönt plötzlich ein Schrei. Der erste Schrei eines neugeborenen Kindes.

Pfarrer Sebastian Stahl, Traunstein

 

Gebet:

Welch Dunkel uns auch hält, sein Licht hat uns getroffen! Hoch über aller Welt steht nun der Himmel offen. Gelobt sei Jesus Christ!

 

Jochen Klepper

 

Lied (EG 19):

O komm, o komm, du Morgenstern