Der Funke soll überspringen

Landessynodalpräsidentin Annekathrin Preidel, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Joachim Pietzcker, Vorsitzender des Finanzausschausses, Oberkirchenrat Erich Theodor Barzen.
Landessynodalpräsidentin Annekathrin Preidel, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Joachim Pietzcker, Vorsitzender des Finanzausschausses, Oberkirchenrat Erich Theodor Barzen. Foto: Bek-Baier

Beginn der Herbstsynode in Amberg im Zeichen von ''Profil und Konzentration''

Blitzeinschläge aus heiterem Himmel, das braucht die reformatorische Kirche von heute. Mit dieser These veranschaulichte Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel auf der Herbstsynode der bayerischen Landeskirche in Amberg ihre Vision von der Zukunft der Kirche. Das Bild vom Blitz entlehnte sie dem Gewitter­erlebnis Martin Luthers in Stotternheim. Dies brachte Luther zu der Entscheidung Mönch zu werden und so sein Leben in eine andere Bahn zu lenken. Mit Blitzeinschlägen meinte sie kreative, neue Ideen, die die Kirche ebenfalls zu neuen Entscheidungen und auf neue Wege bringen können.

Ihre Vision dabei ist eine überraschend und weniger eine traditionell handelnde Kirche. Im Jahr des Reformationsjubiläums sei das an den verschiedensten Orten der bayerischen Landeskirche bereits geschehen. Leisten soll das alles der Kirchenentwicklungsprozess "Profil und Konzentration" (PuK). Um ihn geht es unter anderem in Amberg. Er wurde auf der Frühjahrssynode in Coburg in Grundzügen beschlossen. Nun müsse er, so Preidel mit Leben und Geist gefüllt werden. Das Schlüsselwort dafür ist Motivation. PuK soll und kann, so Preidel die ganze Kirche erfassen, in "Bewegung bringen und kreativ mitreißen." Land auf Land ab herrscht allerdings auch Skepsis zu diesem Prozess. Man fürchtet einen von oben gesteuerten Vorgang, an dessen Ende doch nur Ressourcenkürzungen stehen. "Wir gehen mit PuK ungewohnte, aber vielleicht umso evangelische Wege." Der Prozess sei eben nicht vorgesteuert, er sei ergebnisoffen, breit auf Beteiligung aller angelegt. "Seien Sie kreativ, geistreich und begeistert!", rief sie Skeptikern wie Befürwortern zu. Nur der Geist des Evangeliums  könne die Kirche reformieren.

Preidel stellte die Frage: Wird die Kirche für die Menschen von morgen noch attraktiv sein? "Wir tun gut daran, immer wieder gerade jene, denen unsere Kirche immer fremder wird, zu fragen, was sie von der Kirche halten und was sie sich von ihr wünschen." Für sie sei Volkskirche der Ort, an dem Menschen Lust hätten, authentisch von der Hoffnung, vom Vertrauen und von der Sehnsucht nach Gott zu reden. So hängt PuK vor allem davon ab, ob es gelingt Menschen dazu zu motivieren. Hier sieht die Synodalpräsidentin "den Prozess auf einem guten Weg".

"Mit PuK wollen wir zu Kreativität und Freiheit in der Gestaltung unserer Kirche ermutigen." Auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm befasste sich in Bericht vor der Landessynode mit PuK. Wenn es um die Beschreibung der Krisen der Kirche ginge, seien sich alle einig: Traditionsabbruch, Verlust von Glaubenswissen bei jungen Menschen oder zu starke Abhängigkeit der Kirche von gewissen gesellschaftlichen Kreisen, so der Bischof. Wenn es aber darum geht, diese Krisen anzupacken und Lösungen zu finden, gäbe es nur wenige Akteure. "Aber genau das brauchen wir: Lösungen. Gute Ideen. Neue Ansätze, die etwas ausprobieren und damit immer auch das Risiko eingehen, dass es schief geht. Die Menschen, die entsprechend handeln, sollten wissen, dass dann eben auch einmal etwas schief gehen darf." So kurz umrissen beschrieb er den Kern von PuK.

Zu den kirchlichen Schlüsselaufgaben der Zukunft gehöre weiter guter Religionsunterricht, sagte Bedford-Strohm. In Zeiten, in denen Kinder und Jugendliche immer weniger Glaubenswissen zuhause erfahren, gelte die Möglichkeit, in der Schule solches Wissen über den Glauben zu vermitteln, als besonders kostbar. Er zitierte Grundschüler aus Bamberg, die erklären, warum sie Religionsunterricht gut finden: "Wir lernen Kulturen kennen", "Reli ist wichtig, weil wir unseren Gedanken freien Lauf lassen können", "Hier verstehen wir, dass jeder einzigartig ist", "Wer Religion abschafft, löscht die Vergangenheit aus." All diese Aussagen zeigten, dass Religionsunterricht mit zur Persönlichkeitsbildung beitrage.

Im Rückblick auf das Reformationsjubiläum zog der Bischof vor allem im Bereich der Ökumene positive Bilanz: "Viele Katholiken haben zum ersten Mal verstanden, was Luther wollte. Und sie merkten dass sie zu den Themen Luthers heute ja sagen können und davon nichts mehr  trennt." Was auf der Ebene der örtlichen Kirchengemeinden in der Ökumene geschah, hätte neue Tatsachen geschaffen, hinter die man nicht mehr zurück könne. Der Bischof hegte die Hoffnung, dass diese Erfahrungen aus dem örtlichen Bereich den überregionalen Bereich befruchten könne. "Ich hoffe dass in Folge dieses Jahres Erleichterungen für die gemeinsame Eucharistie konfessionsverschiedener Ehen möglich sind", sagte Bedford-Strohm.

Oberkirchenrat Erich Theodor Barzen, zuständig für die Finanzen der Landeskirche, brachte den Jahresabschluss und den Haushalt in die Synode ein. Der Jahresabschluss liegt im Plan.  Der Gesamthaushalt beträgt 922,7 Millionen Euro. Der Haushalt 2018 liegt in der Vorsteuerung und ist ausgeglichen. Es wird dabei eine schwarze Null erreicht. Einige Zahlen, die Barzen vorlegte machen den Finanzbericht anschaulich: Die Personalkosten liegen bei 498 Millionen. Der Projekthaushalt liegt bei 50 Millionen. Barzen stellte Projekte vor wie den Lorenzer Platz in Nürnberg, der für 7,2 Millionen Euro neu gestaltet wird.

Sein Lieblingsprojekt ist jedoch die "Kirchenpost", die die Kirche 4,9 Millionen Euro in einem Zeitraum über fünf Jahre kosten wird: Im Alter von 13 bis 10 Jahre bekommen Jugendliche je einmal im Jahr eine Post. Mit 13 ergeht eine Einladung zur Jugendfreizeit. Mit 20 bekommt man einen Brief vom Landesbischof. Bei der Geburt eines Kindes bekommen die jungen Eltern eine Einladung zur Taufe.  

Besondere Aufmerksamkeit legte Barzen auf die Immobilien. Dort gäbe es einen Aufbruch: "Wir führen vier Verwaltungsmassen zu einer zusammen". Es wurde ein größeres Objekt in Nürnberg  in der Bayreuther Straße erworben, das mit Mieten derzeit Erträge bringt. Da man bei den Dienstimmobilien dabei ist, ein Gesamtkonzept für Nürnberg zu entwickeln, denkt man dort weiter: Die evangelische Hochschule Nürnberg bräuchte eine Erweiterungen ihrer Räume, da sie zu wenig Platz für ihre Studierenden hat. Es sei ein ergebnisoffener Prozess, ob die Immobilie dazu genutzt werden könnte, so Barzen.

Konkrete Ergebnisse gibt es in einem anderen Bereich: Es existieren bisher 1.800 Pfründestiftungen. Sie sollen zu einer einzigen Stiftung zusammengeführt werden ? zur Vereinfachung der Verwaltung. Die gute Konjunktur hat Barzen zufolge zu einer Steigerung der Kirchensteuer-Einnahmen geführt.

 

                      Martin Bek-Baier


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