Das Buch mit den sieben Siegeln

Brücke
Foto: Bek-Baier

Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, beschrieben innen und außen, versiegelt mit sieben Siegeln. Und ich sah einen starken Engel, der rief mit großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen? Und niemand, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, konnte das Buch auftun noch es sehen. Und ich weinte sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch aufzutun und hineinzusehen. Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht!

                      (Offenbarung 5, 1-9

Es gibt wohl kaum etwas Geheimnisvolleres als ein Buch mit sieben Siegeln. Was sich in einem solchen Buch verbirgt, übersteigt unseren Verstand. Es ist nicht nur schwer zu fassen, sondern geradezu unbegreiflich. Wenn man sich allerdings in der Welt umschaut, gibt es so manches, für das diese Umschreibung zutreffen würde: Da ist das Grauen der Kriege im Nahen Osten, die Verfolgung von Menschen, weil sie eine ethnische oder religiöse Minderheit darstellen, und da sind Terrorgruppen, die Angst verbreiten.

Man sieht das alles und ahnt nur die kompliziert miteinander verflochtenen Ursachen, die hinter den Konflikten stehen. Sogar die, die selbst darin verwickelt sind, können die Gründe dafür nicht mehr entwirren. Oft sind die Ursachen so tiefliegend, dass die menschliche Erinnerung gar nicht ausreicht. In jeder Epoche der Weltgeschichte waren Menschen in solchen Konflikten gefangen. Sie haben verzweifelt den Frieden gesucht und nur Streit, Schuld und Auseinandersetzung gefunden. Wie kann ein Lösungsmodell aussehen? Welchen Ausweg gibt es aus der Misere? - Das kommt einem oft vor wie ein Buch mit sieben Siegeln.

Und dann wird die Geschichte Gottes mit den Menschen erzählt. Jesus Christus, der Heil in eine Welt bringt, in der so viel Zerrissenheit und Unheil vorherrscht. Auch diese Geschichte klingt ähnlich rätselhaft wie das Buch mit den sieben Siegeln. Aber offensichtlich liegt genau in dieser Widersprüchlichkeit der Schlüssel zu den sieben Siegeln: Jesus Christus, der Sohn Gottes, der sich auf diese Welt mit all ihren Schrecken einlässt, der sich sogar von einem Ausbruch der Gewalt überwältigen lässt, der sich selbst dem Tod übergibt, um am Ende genau diesen zu überwinden. Nur so lässt sich das Buch mit den sieben Siegeln öffnen: durch die heilende Hand, durch das vergebende Wort, durch die friedfertige Geste - inmitten von Gewalt und Angst.

Am 4. Dezember, dem Barbaratag, greift eine alte Tradition diesen Gedanken in Form eines wunderschönen Symbols auf. Ein kahler Obstbaumzweig wird ins Haus geholt und in eine Vase mit Wasser gestellt. Es dauert nur wenige Tage und der Zweig treibt mitten im eisigen Winter die schönsten Frühjahrsblüten. Möge uns dieser Schlüssel in der kommenden Adventszeit den Weg zum Kind in der Krippe zeigen, das am Ende den Tod überwindet.     

               Direktorin Gabriele Hoerschelmann und Direktor Hanns Hoerschelmann,

               Mission EineWelt, Centrum für Partnerschaft, Entwicklung und Mission

Gebet:

Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?  Dass das Leben nicht verging, so viel Blut auch schreit, achtet dieses nicht gering in der trübsten Zeit. Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht. Doch des Lebens Blütensieg leicht im Winde weht. Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt, das bleibt mir ein Fingerzeig für des Lebens Sieg. Amen.

Lied 659:

Freunde, dass der Mandelzweig

Außerdem lesen Sie unter anderen in unserer gedruckten Ausgabe vom 10. Dezember 2017:

- Ein besonderer Erinnerungsort: Synodale besuchen Johann-Flierl-Projekt im oberpfälzischen Fürnried

- Der Regensburger Regionalbischof Hans Martin Weiss über Fortschritte in der Ökumene

- Kinderarbeit im Kongo: Amnesty International sieht Autokonzerne in der Pflicht

=> Interesse an diesen Artikeln der gedruckten Ausgabe?

Diese, die wöchentlichen Rätsel und vieles mehr können Sie bei unserem kostenlosen Probeabo entdecken

=> Gleich online bestellen

 

 

www.kirchenpresse.de - Evangelische Wochenzeitung im Internet

 

 

Das Evangelische Sonntagsblatt finden Sie jetzt auch auf der

=> "wertvollen" Facebook-Seite

 

Wertvoll-Logo